KRIMINALFALL

Vatikan lässt Grab von Mecklenburgerin öffnen

Um einen alten Vermisstenfall aufzuklären, ist am Donnerstag im Vatikan das Grab einer Adligen aus Mecklenburg geöffnet worden. Wie ist sie überhaupt dorthin gekommen?
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Am Donnerstag wurde das Grab von Charlotte Friederike von Mecklenburg geöffnet. Die gesuchten Knochen eines 1983 versch
Am Donnerstag wurde das Grab von Charlotte Friederike von Mecklenburg geöffnet. Die gesuchten Knochen eines 1983 verschwundenen Mädchens wurden dabei aber nicht gefunden. Vatican Media/Agenzia Siciliani
Das Grab von Charlotte Friederike von Mecklenburg (rechts ein undatiertes zeitgenössisches Gemälde) auf dem Deutschen
Das Grab von Charlotte Friederike von Mecklenburg (rechts ein undatiertes zeitgenössisches Gemälde) auf dem Deutschen Friedhof im Vatikan. Gemeinfrei (kleines Bild) Altera levatur via Wikimedia (CC BY-SA 4.0, Ausschnitt)
Emanuela Orlandi verschwand 1983 im Alter von 15 Jahren in Rom.
Emanuela Orlandi verschwand 1983 im Alter von 15 Jahren in Rom. dpa-Archiv
Pietro Orlandi, der Bruder der vermissten Emanuela Orlandi, kämpft seit Jahren dafür, dass der Fall weiter aufgeklärt
Pietro Orlandi, der Bruder der vermissten Emanuela Orlandi, kämpft seit Jahren dafür, dass der Fall weiter aufgeklärt wird. Serena Cremaschi Insidefoto
Blick auf den Deutschen Friedhof im Vatikan.
Blick auf den Deutschen Friedhof im Vatikan. Gregorio Borgia
Rom.

Im Zuge der Suche nach Überresten eines Mädchens, das vor 36 Jahren vermutlich im Vatikan verschwunden ist, sind dort am Donnerstag auf dem deutschen Friedhof zwei Gräber geöffnet worden – unter anderem das von Charlotte Friederike zu Mecklenburg (1784-1840).

Grund dafür war, dass es in dem Fall der 1983 verschwundenen Emanuela Orlandi (damals 15 Jahre alt) neue Indizien aufgetaucht sind, die darauf hindeuteten, dass die sterblichen Überreste des Mädchens in einem der Gräber liegen könnten. Die Graböffnung brachte nun aber Gewissheit, dass es sich dabei nur um ein Gerücht handelt – die gesuchten Gebeine des Mädchens wurden nicht gefunden. 

Überraschung: Die Experten fanden in den Gräbern überhaupt keine Knochen

Vielmehr wurde verschiedenen Medienberichte zufolge überhaupt nichts gefunden - das Grab der Mecklenburgerin und auch ein zweites geöffnetes Graben weren vollständig leer und enthielten keinerlei Gebeine. Ein Vatikan-Sprecher wurde mit der Erkenntis zitiert: "Weder wurden menschliche Überreste noch Urnen gefunden." 

Pietro Orlandi, Emanuelas Bruder, zeigte sich nach Bekanntwerden der Resultate zwar erleichtert. „Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, wenn man die Überreste von Emanuela gefunden hätte“, sagte er. Aber alle seien sehr „verwundert“ gewesen, dass die Gräber leer gewesen seien. Unglaublich, nannte er es.

Was macht eine Mecklenburgerin überhaupt in Rom?

Doch wie kommt es überhaupt, dass eine Mecklenburgerin im Vatikan begraben liegt - oder, wie man seit Donnerstag wohl sagen muss, zumindest begraben worden sein soll? Charlotte Friederikes Leben beginnt in Ludwigslust, wo sie 1806 den Erbprinz von Dänemark, ihren Cousin Christian, heiratete – eigentlich eine hervorragende Partie, doch der Gatte war untreu und die Ehe wurde geschieden. Über Umwege kam Charlotte Friederike ins norditalienische Vicenza, wo sie nach einiger Zeit zum Katholizismus konvertierte. Weil sie in Rom starb, wurde sie auf dem dortigen deutschen Friedhof begraben.

Hinweis: Der Artikel wurde um 20:20 Uhr korrigiert und um weitere Erkenntnisse zu dem Fall ergänzt.

Hinweis: Den vollständigen Lizentext des nach CC BY-SA 4.0 übernommenen Grabmals von Charlotte Friederike finden Sie hier.

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