Interview von der ISS

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"Astro-Alex" schaut die WM im Weltall

Alexander Gerst auf einem Monitor der ESA. Per Video Stream beantwortete er Fragen von Journalisten.
Alexander Gerst auf einem Monitor der ESA. Per Video Stream beantwortete er Fragen von Journalisten.
Oliver Berg

Gerade angekommen auf der ISS fühlt sich Alexander Gerst schon wieder wie zu Hause. Mit einem russischen Kollegen schloss er eine witzige Wette ab.

„Ich bin hier angekommen, und es hat sich angefühlt, als ob ich gar nicht weg gewesen wäre.” Kaum auf der Weltraumstation ISS angekommen, beantwortet Alexander Gerst schon die ersten Reporterfragen von der Erde. „Die Stimmung ist super in der Crew“, schwärmte er. Man müsse sich das Ganze vorstellen wie einen Campingurlaub. Nur der Komfort fehlt, aber das mache auch nichts. „Es fühlt sich fantastisch an.”

Unter Jetlag oder postirdischer Depression scheint „Astro-Alex“ nicht zu leiden: „Selbst das Schweben klappt – mir ist nicht schlecht geworden, keine Weltraumkrankheit.” Überhaupt wirkte Gerst bei der Übertragung ruhig und fit. So konnte er auch gleich mit seinen Experimenten angefangen. Insgesamt warten etwa 300 Versuche auf ihn.

Der Traum kommt nicht wieder

Gerst war am Freitag nach zwei Tagen Flug auf der ISS angekommen. Der 42-Jährige soll bis Dezember bleiben. Im Herbst übernimmt er als erster Deutscher das Kommando auf der Raumstation. Die Mission „Horizons“ (Horizonte) ist sein zweiter Einsatz im Weltraum: 2014 war er bereits für ein gutes halbes Jahr oben.

Bei seiner ersten Mission hatte der Astronaut anfangs immer denselben Traum. Er träumte, dass er jetzt auf einer Raumstation wäre, und dachte sich dann beim Aufwachen: „Das ist ja Wirklichkeit!” Dieser Traum sei diesmal nicht wiedergekommen.

Auch der Flug zur ISS war nicht ganz so romantisch wie beim ersten Mal: „Wenn man das zum zweiten Mal macht, ist es nicht mehr ganz dasselbe. Es ist schon mehr ein Stück weit Routine.“ Immerhin habe er von oben seine Kölner Heimat und den Nürburgring erkennen können: „Das ist natürlich schön, wenn man dann rausguckt und seine Heimat sieht.“ Sicher werde er noch Zeit finden, den wunderbaren Anblick der Erde zu genießen.

WM-Wette mit russischem Astronauten

Der deutsche Astronaut muss auch im All nicht komplett auf die Fußball-WM verzichten. „Wir schauen beim Abendessen, wenn wir Zeit haben, mal ein bisschen rein”, sagt er im Interview. Während ihn die Journalisten ausfragten, ließ er den offiziellen WM-Ball durch das Bild schweben.

Mit dem russischen Kosmonauten Sergej Prokopjew hat er unterdessen eine Fußball-Wette abgeschlossen. Wenn Russland Weltmeister werden sollte, dann will er sich eine russische Fahne auf die Stirn malen lassen. Wenn dagegen Deutschland Weltmeister wird, dann muss sich der russische Kollege eine „Gerst-Glatze” schneiden lassen.

Bei aller WM-Euphorie wollte Gerst aber doch keinen Tipp abgeben, wer Weltmeister wird. Er sei schließlich Wissenschaftler und kein Wahrsager.