KIRCHGEMEINDE

Zeitzeuge berichtet in Spantekow über den Mauerbau

Knapp hundert Ehrenamtliche der Kirchgemeinden der Pfarrbereiche Spantekow, Krien und Liepen waren am Reformationstag in Bürgerhaus gekommen. Auch um über die Kirche vor und nach der Wende zu diskutieren.
Jörg Hildebrandt war zu Gast in Spantekow. Er stellte die Turmuhr in der Kirche der Versöhnung im Jahr des Mauerbaus
Jörg Hildebrandt war zu Gast in Spantekow. Er stellte die Turmuhr in der Kirche der Versöhnung im Jahr des Mauerbaus auf „Fünf vor Zwölf“. Das Uhrwerk steht heute in Berlin. Gregor Fischer
Etwa hundert Ehrenamtliche und Kirchenälteste verfolgten im Spantekower Bürgerhaus den Vortrag von Jörg Hildebr
Etwa hundert Ehrenamtliche und Kirchenälteste verfolgten im Spantekower Bürgerhaus den Vortrag von Jörg Hildebrandt über den Mauerbau und diskutierten über Wendezeit sowie Kirche damals und heute. Matthias Diekhoff
Spantekow.

Es ist mittlerweile zu einer schönen Tradition geworden, dass diejenigen, die sich in den Kirchengemeinden der Pfarrbereiche Spantekow, Krien und Liepen ehrenamtlich engagieren, zu einem „Dankeschöntag“ eingeladen werden. Am diesjährigen Reformationstag war es bereits zum 13. Mal der Fall.

Nach einem Abendmahlsgottesdienst in der Spantekower Kirche gab es im Bürgerhaus ein Mittagessen und danach schließlich konnten sich die rund hundert Gäste einem Thema widmen, das in diesen Tagen in aller Munde ist: Der 30. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November. Ein Tag, der das Leben vieler Menschen in der Region verändert hat, erinnerte Pastor Philipp Staak. Für ihn selbst sei es Freudentag gewesen, konnte seine Familie nun doch ungehindert zusammenkommen. Für andere allerdings hätten der Mauerfall und alles was danach kam, auch viele Verluste gebracht.

Bericht über die dramatischen Tage im August 1961

Als besonderer Gast konnte Jörg Hildebrandt aus Berlin im Spantekower Bürgerhaus begrüßt werden. Er ist einer der Söhne des letzten Pfarrers der Versöhnungskirche in Berlin, die viele Jahre im Mauerstreifen an der Bernauer Straße leer stand und 1985 gesprengt wurde. Und Jörg Hildebrandt war es auch, der die Zeiger der Turmuhr im Jahr des Mauerbaus auf „Fünf vor Zwölf“ stellte, um ein Zeichen zu setzen.

In Spantekow nun berichtete er, wie er diese dramatischen Tage im August 1961 erlebt hat. Er und übrigens auch seine Freundin Regine, die später seine Frau und noch etwas später eine der bekanntesten Politikerinnen Deutschlands werden sollte. Rückblickend sei er erstaunt darüber, welche Sorglosigkeit in jenem Sommer herrschte. Jörg Hildebrandt wohnte damals in der Bernauer Straße. Wenn er das Haus verließ und auf die Straße trat, befand es sich schon im französischen Sektor, also in West-Berlin.

Ab dem 13. August 1961 wurde aber alles anders. Zunächst fiel ihm der Stacheldraht in seiner Straße auf. Zwei Tage später wurden dann schon die Türen und Fenster zugemauert, aus denen Einige noch zu flüchten versuchten, mit zum Teil tragischen Ausgang. Auch die Familie Hildebrandt musste ihr Haus verlassen. Er und seine Frau wären ganz bewusst in der DDR geblieben, um unbequem zu sein. Wenn er etwas aus jener Zeit gelernt habe, dann stets „hellwach“ zu bleiben, bis auf den heutigen Tag.

Auf den Fundamenten der Versöhnungskirche wurde nach der Wende die „Kapelle der Versöhnung“ errichtet. Auch die Turmuhr, die Jörg Hildebrandt auf „Fünf vor Zwölf“ stellte, gibt es noch. Das überholte Uhrwerk tickt seit diesem Sommer im Eingangsbereich des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung (EWDE) in Berlin unweit ihres früheren Standortes.

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