Schandfleck in Anklam

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Wer küsst den Froschbrunnen sauber?

Wie bestellt: Am Montag haben drei Mitarbeiter der Diakonie den Brunnen gereinigt.
Wie bestellt: Am Montag haben drei Mitarbeiter der Diakonie den Brunnen gereinigt.
Philipp Schulz

Der Froschbrunnen im Anklamer Stadtpark, direkt neben dem Kinderspielplatz, ist beliebter Treffpunkt in den heißen Monaten. Heute gleicht er eher einem Schandfleck. Fühlt sich denn niemand verantwortlich?

Wer in Anklam aufgewachsen ist, der wird sich an den Froschbrunnen noch als den Platz erinnern, der er heute noch sein sollte. Kinder badeten unter dem Konterfei des Frosches, viele Anklamer genossen den Sommer im Park. Heute sieht es im und um den Brunnen anders aus. Neben den Mülleimern liegen Papier, Dosen, Essenspackungen. Im Brunnen selbst ist der Betonboden vor lauter Algenbildung nicht mehr zu sehen, heruntergefallene Äste liegen neben alten Sekt- und Bierflaschen. Die zwei „Baden verboten“-Schilder rechts und links des Brunnens wirken fast ironisch, bedenkt man den aktuellen Zustand. Das Problem wurde bereits in den Sozialen Medien angesprochen und ist auch der Anklamer Verwaltung bekannt.

Sylvia Thurow, die Fachbereichsleiterin für Bau, Stadtentwicklung und Immobilienmanagement in Anklam, erklärte gegenüber dem Nordkurier, dass die Lösung nicht so einfach sei. „Wir wissen um das Problem, gerade wenn das Wetter so schön ist wie jetzt, besteht natürlich der Wunsch, dass die Kinder irgendwo baden können und Familien einen gemeinsamen Anlauf- und Treffpunkt haben. Wir haben auch schon mehrfach in der Abteilung zusammen gesessen, um eine Lösung zu finden,“ zeigt sich Thurow verständnisvoll gegenüber dem Ärger aus der Bevölkerung. Dass bis jetzt noch keine Lösung gefunden werden konnte, hat einen Grund. „Der Brunnen wird nicht von unserem Bauhof betreut. Dazu fehlen uns einfach die Mitarbeiter und auch die Finanzmittel im Haushalt.“ Thurow berichtet weiter, dass der Brunnen theoretisch täglich zweimal betreut werden müsste. Morgens, um ihn zu reinigen und mit Wasser zu befüllen, und abends, um das Wasser wieder abzulassen und den Brunnen zu schrubben.

Großes Problem sind die vielen Scherben

Da der Froschbrunnen mit Grundwasser aus einem sumpfigen Gebiet gefüllt wird, ist das Wasser sehr nährstoffreich, was die Algenbildung verstärkt. Aktuell hat die Stadt einen Vertrag mit der Diakonie. Die Mitarbeiter kümmern sich laut Vertrag um die Tiergehege und im Zuge dessen auch um den Park und den dazugehörigen Brunnen. Allerdings gibt es keinen expliziten Auftrag, den Brunnen jeden Tag zu reinigen.

Ein weiteres Problem, das der eigentlich beliebte Froschbrunnen hat, ist nicht so einfach von der Verwaltung lösbar und für Thurow unverständlich: „Ein Problem sind natürlich auch die vielen Scherben. Die Reinigung könnte wesentlich einfacher sein, wenn einige Menschen nicht dauernd ihre Flaschen in den Brunnen werfen würden. Da sollte mal jeder sein eigenes Verhalten überdenken,“ mahnt die Fachgebietsleiterin zur gegenseitigen Rücksichtnahme.

Trotz der vielen schlechten Nachrichten gibt es auch zwei gute. Zum einen prüft das Bauamt, ob der Brunnen zumindest in den sechs Wochen der Sommerferien täglich gereinigt werden könnte, und zum anderen wurde der Brunnen just an diesem Montag gereinigt und mit neuem Wasser befüllt. Die drei Mitarbeiter der Diakonie bestätigten, dass der Froschbrunnen circa alle drei Wochen gereinigt werde, öfter gehe es nicht.