JUDIKA-FEIER FÄLLT AUS

Krise unterbricht ehrwürdige Tradition

Die Judika-Feier gibt es in Anklam schon seit mehr als 300 Jahren. In diesem Jahr muss sie wie vieles andere ausfallen. Eine Judika-Rede gibt es aber schon. Darin mahnt Lena Justa einen maßvollen Umgang mit den sozialen Medien an.
Die Judika-Feier (im Bild die von 2019) gehört zu den Höhepunkten am Lilienthal-Gymnasium.
Die Judika-Feier (im Bild die von 2019) gehört zu den Höhepunkten am Lilienthal-Gymnasium. Weronika Janusz
Der ursprüngliche Taler wurde durch einen Morgan-Dollar ersetzt.
Der ursprüngliche Taler wurde durch einen Morgan-Dollar ersetzt. Veronika Müller
Lena Justa sollte in diesem Jahr die Judika-Rede halten.
Lena Justa sollte in diesem Jahr die Judika-Rede halten. privat
Anklam.

Die Judika-Feier gehört unbestritten zu den Höhepunkten am Anklamer Lilienthal-Gymnasium. In der Regel wird dabei am Freitag vor dem Judika-Sonntag der Rettung der Stadt Anklam im Jahr 1713 durch den Mut eines dänischen Offiziers gedacht. An diesem Freitag wäre es zum 28. Mal nach der Wende soweit gewesen. Doch die Feier musste abgesagt werden. Und damit auch die Judika-Rede, die stets von einem Schüler gehalten wird. In diesem Jahr ist es Lena Justa. Die Rede hatte sie bereits fertig. Thema: „Von der visuellen Kommunikation zur visuellen Komplikation.“

„Wir vernetzen uns, und doch sind wir immer einsamer”

Darin wirbt sie für einen maßvollen und kritischen Umgang mit Smartphone, Internet und den sozialen Medien. Sie appelliert an ihre Mitschüler, ihr Leben nicht im Netz zu verschwenden und nicht alles zu glauben, was dort geschrieben steht. So heißt es in einer Passage ihrer Rede: „Wir vernetzen uns auf der ganzen Welt, und doch sind wir immer einsamer. Wir sitzen zwar zusammen, aber sind uns fremder als je zuvor. Wir leben im gleichen Haus, aber anscheinend aneinander vorbei.“

Viel Zeit investiert

Dass sie diese Rede jetzt nicht halten kann, stimmt sie natürlich traurig, sagt die Schülerin. Schließlich habe sie viel Zeit darin investiert und aktuelle Bezüge, wie zum Beispiel die Vorfälle in Hanau, eingearbeitet. Aber aufgeschoben müsse ja nicht aufgehoben sein. Aber ob sie die Judika-Rede für einen späteren Vortrag noch einmal umarbeitet, um Bezug auf die aktuelle Krise zu nehmen, darauf wollte sich die junge Frau noch nicht festlegen. So wie ihre Mitschüler ist sie zu Hause und bereitet sich intensiv auf die Abiturprüfungen vor. Immerhin habe sie wegen der Corona-Krise dafür nun vier Wochen mehr Zeit.

Vielleicht wird die Feier nachgeholt

Aber auch die anderen Schüler müssen sich nicht langweilen. Über die Internetseite des Gymnasiums und eine digitale Lernplattform werden sie mit entsprechenden „Hausaufgaben“ versorgt, erklärt Schulleiter Mathias Ruta. Und sie würden auch erledigt, habe er festgestellt.

Dass die traditionelle Judika-Feier abgesagt werden musste, finde auch er bedauerlich, allerdings gehe in diesem Fall die Gesundheit vor. Vielleicht könne sie ja später im Jahr nachgeholt werden.

Die Judika-Feier gibt es seit 1715. Damals wurde verfügt, dass jedes Jahr ein Schüler eine Rede „Gott zum Lobe“ hält und einen Taler bekommen soll. Der Taler wurde inzwischen durch den Morgan-Dollar ersetzt. Mit drei Unterbrechungen fand das Judika-Fest bis zum Zweiten Weltkrieg statt. 1992 wurde es wieder ins Leben gerufen.

 

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