REISEVERKEHR

Kann ein Schnellweg Vorpommern und die Insel Usedom entlasten?

Ein Experte bringt eine neue Verbindung zwischen Festland und der Insel Usedom ins Gespräch, um Staus zu vermeiden. Die Schnellstraße hätte nach seiner Meinung viele Vorteile.
Thorsten Pifan Thorsten Pifan
Vorschlag für einen Usedom-Schnellweg für den Verkehr von der A20 auf die Insel Usedom und weiter in Richtung Polen.
Vorschlag für einen Usedom-Schnellweg für den Verkehr von der A20 auf die Insel Usedom und weiter in Richtung Polen. Idee: Friedrich Reilmann, NK-Grafik: Daniel Focke
Landschaftsarchitekt und Städteplaner Friedrich Reilmann bringt eine interessante Variante für einen Usedom-Schnellweg ins Gespräch. Foto: Thorsten Pifan
Landschaftsarchitekt und Städteplaner Friedrich Reilmann bringt eine interessante Variante für einen Usedom-Schnellweg ins Gespräch. Thorsten Pifan
Die Idee einer neuen Brücke nach Usedom bei Wolgast hält Friedrich Reilmann nur bedingt für sinnvoll, weil sie das Nadelöhr auf der Bundesstraße 111 bei Koserow nicht entlastet.  Illustration: Deges
Die Idee einer neuen Brücke nach Usedom bei Wolgast hält Friedrich Reilmann nur bedingt für sinnvoll, weil sie das Nadelöhr auf der Bundesstraße 111 bei Koserow nicht entlastet. Illustration: Deges
Stau: Vor der Peenebrücke auf der Insel Usedom reihen sich regelmäßig die Fahrzeuge.  Foto: dpa
Stau: Vor der Peenebrücke auf der Insel Usedom reihen sich regelmäßig die Fahrzeuge. Stefan Sauer
Ein dynamische Wegweiser mit integriertem Stausystem steht am 28.05.2015 an der B111 bei Karlsburg (Mecklenburg-Vorpommern). Drei dynamische Wegweiser mit integriertem Stausystem - eines auf der Insel, zwei auf dem Festland, an der Kreuzung bei Karlsburg - sollen den Autofahrern Reiseempfehlungen geben. Mit einem Verkehrslenkungssystem sollen die Staus für Usedom-Urlauber verringert werden. Mit knapp fünf Millionen Übernachtungen und 980 000 Gästen zählt Usedom zu den Tourismushochburgen des Landes.
Drei dynamische Wegweiser mit integriertem Stausystem – eines auf der Insel, zwei auf dem Festland, an der Kreuzung bei Karlsburg – sollen den Autofahrern Reiseempfehlungen geben. Mit einem Verkehrslenkungssystem sollen die Staus für Usedom-Urlauber verringert werden. Stefan Sauer
Vorpommern.

Während in Wolgast über eine Ortsumgehung mit neuer Brücke diskutiert wird, um den Verkehr auf die Insel Usedom zu beschleunigen, bringt der Landschaftsarchitekt und Städteplaner Friedrich Reilmann aus Meiersberg bei Ueckermünde eine ganz neue Variante ins Spiel: den Usedom-Schnellweg, der an der Südseite der Insel das Haff queren soll.

„Wenn der Verkehrsfluss rund um Wolgast entzerrt wird, bringt das für die Straßen auf der Insel gar nichts“, sagt Reilmann. Tatsächlich: Das Nadelöhr zwischen Zinnowitz und Ückeritz wird mit dieser Lösung nicht erweitert. Der Verkehr auf Usedom wälzt sich auch nach dem Bau einer Entlastungstrasse bei Wolgast weiter über die Bundesstraße 111 – und da staut es sich nicht nur in den Sommermonaten.

Schnellstraße müsste vierspurig sein

„Nun bauen die Polen in Swinemünde auch noch einen Tunnel, um ihren Teil der Insel Usedom besser mit dem Festland zu verbinden“, sagt Reilmann. Das hat zur Folge, dass die Strecke aus und in Richtung Danzig über Usedom attraktiver wird – auch für den Schwerlastverkehr. Reilmann befürchtet, dass die Straßen auf deutscher Seite der Belastung kaum gewachsen sind, sie den Verkehr kaum fassen können, der entweder über Usedom oder bei Anklam quer durch Vorpommern zur Autobahn 20 rollt.

Friedrich Reilmann, der in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen an der Planung von Schnellstraßen und Autobahnen mitwirkte, hat mehrere Varianten einer Schnellstraße, die vierspurig sein müsste, im Auge: „Die neue Trasse muss zwischen Autobahn-Anschlussstellen Gützkow (AS 27) und Anklam (AS 29) an die A 20 anbinden“, erklärt er. Quer durch das Land führt sie in Richtung Usedom. Dort muss die neue Strecke an einer möglichst schmalen Stelle über das Haff führen und auf die Bundesstraße 110 geleitet werden.

Offen ist für ihn, ob die neue Trasse nördlich oder südlich der Peene verläuft. Bei der südlichen Variante könnte eine Querung zum Beispiel in der Nähe der Karniner Brücke erfolgen. Letztlich müsse die Straße aber umweltverträglich verlaufen, um eine größtmögliche Akzeptanz zu haben.

Trassenführung noch nicht konkret geplant

Reilmann nennt weitere Vorteile seiner Idee: „Man bräuchte neben der Zecheriner Brücke eine weitere Querung, das kann wichtig sein, falls eine der Brücken einmal ausfällt. Jüngst gab es eine kleine Kollision eines Schiffes mit der Zecheriner Brücke, was passiert, wenn das nicht so glimpflich abläuft, sondern die Brücke für mehrere Wochen gesperrt werden muss, weil eine Reparatur notwendig wird.“

Letztlich will der Stadtentwickler mit seinem Vorstoß eine Diskussion anregen und bleibt daher mit einer konkreten Trassenführung zunächst noch sehr vage. „Es gibt mehrere Varianten meines Vorschlags. Welche Variante die optimalste ist, muss am Ende eine Machbarkeitsstudie mit Schwerpunkten bei Umweltschutz und der Kostenanalyse zeigen. Aus meiner Sicht hält der aktuelle Vorstoß, eine Brücke bei Wolgast zu errichten, einer Umweltverträglichkeitsprüfung nicht stand.“

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Kommentare (2)

mitten durch die ärmste Gegend Deutschlands. Auf vier Spuren direkt auf die Insel und retour. Ohne stundenlangen Stau auf ihr neues Sylt. Bravo, Herr Reilmann. Kein Zweifel: der Vorpommernrat wird Ihre "Inselautobahn" abnicken. Alles für die Gäste!

... die einheimischen, täglichen Pendler von und zur Insel Usedom. Dann klappt auch ein sinnvoller Kommentar.