EHRENAMTLICHE RICHTER

Hier können sich Schöffen endlich besser vernetzen

Schöffen sind in der Rechtssprechung unerlässlich. Bei dem Austausch unter den Ehrenamtlern hapert es jedoch oft. In Anklam soll jetzt Abhilfe geschaffen werden.
Dem hauptamtlichen Richter in Robe stehen Schöffen bei der Urteilsfindung zur Seite Foto: NK-Archiv
Dem hauptamtlichen Richter in Robe stehen Schöffen bei der Urteilsfindung zur Seite NK-Archiv
Schöffe Bernd Wieczorkowski Foto: Anne-Marie Maaß
Bernd Wieczorkowski beklagt die strukturellen Probleme bei den Laienrichtern.
Anklam.

Die deutsche Rechtsprechung ist ein komplexes Feld. Oftmals steht eine Vielzahl an Verhandlungstagen vor dem abschließenden Richterspruch. Und dieser liegt keinesfalls in der Entscheidung eines Einzelnen. In den meisten Fällen stehen dem hauptamtlichen Richter Schöffen zur Seite. Diese Ehrenamtler gelten als Ausdruck der Volkssouveränität und sind dem Richter bei der Urteilsfindung gleichgestellt. Trotz dieser großen Verantwortung gibt es strukturelle Probleme bei den Laienrichtern, die in Anklam nun bekämpft werden sollen. „Wir wurzeln in unserem eigenen Saft“, sagt Bernd Wieczorkowski. Der Anklamer ist selbst seit Jahren als Schöffe tätig und sieht in diesem Bereich des Ehrenamts ein starkes Kommunikationsdefizit. „Es finden keine Treffen statt, um sich auszutauschen“, sagt er. Dabei sei das durchaus wichtig. Denn auch ehrenamtliche Richter müssen sich weiterbilden. „In großen Zentren ist das kein Problem“, sagt Wieczorkowski. Auf dem Land gebe es jedoch Nachholebedarf.

Regionalgruppe ist Premiere für ganz M-V

Daher sollen bereits Anfang Februar Nägel mit Köpfen gemacht werden. Gemeinsam mit dem Schöffenverband Nord e.V. wird in der Hansestadt Anklam das erste Treffen der DVS-Nord Regionalgruppe Vorpommern-Greifswald stattfinden. Ein erster Schritt um die regionale Zusammenarbeit zu stärken. „Das hätte eine ganz schöne Ausstrahlung“, so Wieczorkowski. Denn die offizielle Gründung einer solchen Gruppe wäre eine Premiere für das gesamte Land Mecklenburg-Vorpommern. Doch nicht nur bereits etablierte Schöffen sind bei der Veranstaltung gern gesehen. „Alle interessierten Bürger können sich dort informieren, was ein ehrenamtlicher Richter eigentlich macht“, sagt er.

Justizministerin steht Rede und Antwort zur Gerichtsstrukturreform

Außerdem soll ein weiteres Themenfeld während des Treffens bearbeitet werden. Denn es hat sich hoher Besuch angekündigt. Katy Hoffmeister, die Justizministerin des Landes Mecklenburg-Vorpommern, wird zur Gerichtsstrukturreform Rede und Antwort stehen. „Die Evaluierung der Reform sollte fünf Jahre nach ihrem Inkrafttreten stattfinden“, so Bernd Wieczorkowski. 2019 sei dieser Zeitpunkt erreicht gewesen. „Jetzt möchte ich belastbare Zahlen haben“, sagt er. Bisher habe er noch keine merkliche Verbesserung durch die damalige Umstrukturierung feststellen können. Allerdings gibt es seinerseits bereits Ideen, wie der ländliche Raum gestärkt werden könne. So hält Wieczorkowski es unter anderem für sinnvoll, Verhandlungstage aus Pasewalk nach Anklam zu verlegen oder auch Nachlassfragen in den Außenstellen des Gerichts zu ermöglichen. Neben Bernd Wieczorkowski wird das Treffen von Michael Maske, Vorstandsmitglied des Bundes ehrenamtlicher Richter, moderiert.

 

Los geht es am Mittwoch, den 5. Februar um 18 Uhr in der Gaststätte „Am Steintor“ in Anklam. Die Veranstaltung ist kostenlos. Um eine Anmeldung bis zum 31. Januar wird unter der E-Mail-Adresse m.maske@schoeffen-nord.de oder telefonisch unter 041101 208489 gebeten.

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Kommentare (2)

War fünf Jahre als Schöffe an einen LG in BB tätig, da ich Polizeibeamter im g.D war und einige Rechtskenntnisse hatte,war ich für die meisten Richter nicht genehm,da ich im Prozeßverlauf auch Fragen stellen wollte und die Urteilsfindung in der Sitzung nicht so hingenommen habe. Mein Fazit ist,dass nur solche Schöffen genehm sind,die dem Richter keine Schwierigkeiten bereiten.

... im richtigen Leben, eben. Zu viel Fachkompetenz ist nicht überall gewünscht.