FACHKRÄFTEMANGEL

Hälfte der Ausbildungsplätze auf dem Bau unbesetzt

Die Baubranche boomt, aber findet keinen Nachwuchs. Dafür gibt es einfache Erklärungen.
Die Not ist groß: In Vorpommern-Greifswald bleibt die Hälfte der Azubi-Stellen auf dem Bau unbesetzt.
Die Not ist groß: In Vorpommern-Greifswald bleibt die Hälfte der Azubi-Stellen auf dem Bau unbesetzt. Waltraud Grubitzsch
Anklam.

Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres sind viele Baufirmen im Landkreis Vorpommern-Greifswald vergeblich auf der Suche nach Azubis. Darauf weist die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) unter Berufung auf aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur hin. Danach blieben im Juli 50 Prozent aller Ausbildungsstellen auf dem Bau unbesetzt. Von 128 ausgeschriebenen Plätzen im Landkreis waren noch 64 zu vergeben. Bereits im vergangenen Jahr waren zum selben Zeitpunkt 51 Prozent aller Ausbildungsplätze im Bauhauptgewerbe unbesetzt. Wolfgang Ehlert von der IG BAU Ostmecklenburg-Vorpommern spricht von einem „Alarmsignal“.

Gewerkschaft fordert höheres Einkommen

Wenn es den Firmen nicht gelinge, Schulabgänger für die dringend gebrauchte Arbeit als Maurer, Straßenbauer oder Baugeräteführer zu finden, dann gerate das Fundament der ganzen Branche ins Wanken. „Aber nur wenn die Arbeitsbedingungen auf Baustellen attraktiver werden, lässt sich das Nachwuchs-Problem lösen“, ist der Gewerkschafter überzeugt.

Jeder Dritte schmeißt hin

In der laufenden Tarifrunde fordert die IG BAU deshalb ein monatliches Einkommensplus von 100 Euro für alle Azubis. Außerdem soll die lange, meist unbezahlte Fahrerei zur Baustelle entschädigt werden, um die Arbeit attraktiv zu halten – auch gegenüber anderen Branchen, in denen weit weniger gependelt wird. „Wer sich bei der Berufswahl für den Bau entscheidet, der muss auch Familie, Freizeit und Arbeit unter einen Hut bringen können. Aber das klappt für die meisten Berufseinsteiger nur sehr selten“, so Ehlert. Diese Unzufriedenheit spiegele sich auch in einer hohen Abbrecherquote wider. Laut aktuellem Ausbildungs- und Fachkräftereport der Sozialkassen des Baugewerbes (SOKA-BAU) bringt jeder dritte Azubi die Ausbildung nicht zu Ende.

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Kommentare (3)

Und wenn jetzt nichts passiert bekommen wir in wenigen Jahren die Quittung. Da bringen die 100€ mehr Lehrlingsgeld auch nicht viel. Die frisst die Steuer.
Da sind viele Berufe im Handwerk wo die Nachfolger fehlen. Die müssen mehr als attraktiv gestaltet werden.

Wir haben doch genügend Zuwanderer - davon bitte schön die Qualifiziertesten mit den besten Aussichten auf Integration - - natürlich erfordert die Auswahl qualifizierte und erfahrene Entscheidungsträger, keine politischen Entscheidungen / Lobby

Der Artikel war für manche Leser leider zu kompliziert, siehe oben stehende Kommentare.