UMSTRITTENE WERBUNG AUF BUSKARTEN

Bundeswehr zielt auf Schüler

Die Bundeswehr braucht Nachwuchs – und wirbt um diesen bereits unter Vorpommern-Greifswalds Siebtklässlern. Auf deren Schulbus-Fahrkarten prangt neuerdings Werbung für die Truppe. Und das stößt vielen Eltern und manchen Politikern übel auf.
Über die Eigenschaften dieser Flugabwehrrakete vom Typ „Stinger“ (hier eine Attrappe) können sich Jugendliche auf der Internetseite informieren. Eigentlich nicht schlimm – aber muss man dafür wirklich bei Siebtklässlern werben?
Über die Eigenschaften dieser Flugabwehrrakete vom Typ „Stinger“ (hier eine Attrappe) können sich Jugendliche auf der Internetseite informieren. Eigentlich nicht schlimm – aber muss man dafür wirklich bei Siebtklässlern werben? Carsten Rehder
Die umstrittene Bundeswehr-Werbung auf der Rückseite der Schülerfahrausweise.
Die umstrittene Bundeswehr-Werbung auf der Rückseite der Schülerfahrausweise. Stefan Hoeft
Vorpommern.

Die Fliegerfaust „2 Stinger“, deren 69 Millimeter breite Lenkflugkörper rund sechs Kilometer weit fliegen können, „wird zur Bekämpfung von niedrig fliegenden Luftzielen wie Jagdbombern und Kampfhubschraubern“ eingesetzt. Das alles und vieles mehr steht auf der Internet-Seite „treff.bundeswehr.de“, zusammen mit einem wirklich ansehnlichen Poster, das einen Soldaten beim Abschuss der Waffe zeigt. Das Poster können sich die Besucher der Seite herunterladen und ausdrucken – falls sie nicht doch lieber ein Poster der Panzerhaubitze 2000 haben wollen. Oder eines von Dutzenden anderen Bildern.

Die Internetseite ist auf ihre Art nicht schlecht gemacht: Auf dem Portal gibt es mehr oder weniger jugendgerechte Informationen über die Truppe und über den Soldatenberuf im Allgemeinen. Außerdem lädt die Seite dazu ein, gemeinsam mit anderen in einer „Community“ über die Bundeswehr zu diskutieren und all die Fragen zur Truppe loszuwerden, die man immer schon mal klären wollte.

Das kann alles durchaus hilfreich sein für Jugendliche, die damit liebäugeln, später mal zum Bund zu gehen – aber die Seite, deren Betreiberin die Bundeswehr ist, lässt keinen Zweifel daran: Die Bundeswehr ist eine prima Sache. Das ist naheliegend, aber eben nicht gerade neutral. Und damit fangen die Probleme an.

‚Mega Team-Challenge auf Sardinien‘

Denn Werbung für diese Internet-Seite halten etliche Schüler des Landkreises ab sofort jeden Tag in ihren Händen. Sie prangt auf den neuen Schülerfahrausweisen, die die Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Greifswald (VVG), eine Tochtergesellschaft des Landkreises, in diesem Schuljahr an ihre Fahrschüler verteilt. Schüler ab der siebten Klasse kommen so in den Genuss der Werbung – und das finden manche Eltern durchaus problematisch.

Etwa die Linken-Landtagsabgeordnete Jeannine Rösler: „Ich finde das ungeheuerlich“, sagt die zweifache Mutter: „Wie die Kinder an dieses sensible Thema herangeführt werden, muss den Eltern überlassen bleiben.“ Auch ihr Landtags- und Partei-Kollege Peter Ritter, früher selbst NVA-Offizier, ist aufgebracht: „Auf der Seite findet man ‚alles Wissenswerte und Interessante über die Streitkräfte‘, den Soldatenberuf und die Auslandseinsätze. Die ‚Mega Team-Challenge auf Sardinien‘ verspricht im ‚BW-Adventure Camp‘ ‚Action, Sport und Abenteuer‘. Natürlich geht es den Machern nicht um Action, Sport und Abenteuer, sondern um Nachwuchs und Nachschub für die an vielen Orten im Kriegs- und Kriseneinsatz befindliche Bundeswehr.“ Das sei ungeheuerlich.

Die Bundeswehr hält dem entgegen: Man betreibe die Nachwuchswerbung bewusst auf vielen unterschiedlichen Kanälen und beginne damit schon bei Schülern. Deren Mündigkeit sei in Zeiten, in denen über eine Reduzierung des Wahlalters auf 16 Jahre diskutiert werde, wohl durchaus gegeben.

Keine Stellungnahme vom Landkreis

Der Kreis und seine Verkehrsgesellschaft sahen sich am Dienstagnachmittag zu keiner Stellungnahme mehr in der Lage. So blieb zunächst offen, an wie viele Fahrschüler die Werbung verteilt wurde.

Daher steht bislang nur fest, dass die Angelegenheit ein Nachspiel haben wird. Dafür will die Linke sorgen. Mignon Schwenke, Kreisvorsitzende und Mitglied im Aufsichtsrat der Verkehrsgesellschaft, zeigte sich ebenfalls bestürzt über die Werbung. Ihren Ärger darüber brachte sie in einem Brief an VVG-Geschäftsführer Dirk Zabel zum Ausdruck: „Im Land ringen wir darum, dass ohne Zustimmung der Eltern Werbung für die Bundeswehr nicht bei den Schülerinnen und Schülern ankommen soll. Und bei uns kommen sie gar nicht darum herum, weil sie auf der Fahrkarte aufgedruckt ist. Für mich ist das nicht akzeptabel.“

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Vorpommern

Kommende Events in Vorpommern

zur Homepage

Kommentare (1)

Zu Zeiten der DDR,wo die Linke noch SED hieß,kamen die Streitkräfte bereits in den Kindergarten. Damals war von einer Empörung nichts zu spüren. Wie unglaubwürdig,sind die Damen und Herren ?. Oder sind sie noch immer nicht in Deutschland angekommen ?