INSOLVENZVERFAHREN ERÖFFNET

Anklamer Ölmühle überschuldet und zahlungsunfähig

Nun ist es offiziell: Die Anklamer Ölmühle ist insolvent und soll abgewickelt werden. Rund 160.000 Euro Verbindlichkeiten sind bereits bekannt. Der Insolvenzverwalter rechnet aber noch mit einer Dunkelziffer. Gläubiger können sich nun schriftlich melden.
Die Abwicklung des Unternehmens „German Renewable Oil“ ist für Insolvenzverwalter Dr. Lutz Käster keine
Die Abwicklung des Unternehmens „German Renewable Oil“ ist für Insolvenzverwalter Dr. Lutz Käster keine leichte Aufgabe – unter anderem, weil die Geschäftsführung ihren Sitz in Polen hat. Dennis Bacher
Anklam.

Das Insolvenzhauptverfahren gegen das Unternehmen „German Renewable Oil“, dem bisherigen Betreiber der Anklamer Ölmühle, ist nun wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnet worden, heißt es in der öffentlichen Bekanntmachung vom zuständigen Amtsgericht Charlottenburg in Berlin. Für Insolvenzverwalter Dr. Lutz Köster gilt es nun, im Sinne der Gläubiger das Unternehmen abzuwickeln. Keine ganz leichte Aufgabe für ihn. Kontakt zur Geschäftsführung in Polen gebe es nach wie vor nicht, bestätigt er. Auch die Geschäftsunterlagen würden ihm dementsprechend nicht vollständig zur Verfügung stehen. Deshalb bleibt Köster bei der Höhe der Gesamtverbindlichkeiten auch noch zurückhaltend. „Wir hoch die Dunkelziffer ist, lässt sich derzeit nicht sagen, das muss sich im Laufe des Verfahrens zeigen“, sagt er. Nach seinen bisherigen Recherchen seien ihm Ausstände in Höhe von rund 160 000 Euro bekannt, so der Anwalt.

Gläubiger können nun ihre Ansprüche geltend machen

Das hätten etwa die Vorabfragen bei Banken und Versicherern, aber auch Gespräche mit den ehemaligen Angestellten ergeben. „Für Letztere bestünde nun die Möglichkeit bei der Arbeitsagentur Insolvenzgeld zu beantragen. Damit können bis zu drei Monatsgehälter beglichen werden“ , so Insolvenzverwalter Köster. Dann müssten sie sich in die Reihe der Gläubiger einordnen, die nun ihre Ansprüche geltend machen können.

Die Insolvenz wurde in der vergangenen Woche öffentlich bekannt gemacht. Bereits am 19. März wurde das Verfahren vonseiten des Amtsgerichts eröffnet. Gläubiger haben nun erst einmal bis zum 22. Juni Zeit, ihre offenen Forderungen schriftlich anzumelden. Bis Mitte August gebe es dann noch einmal eine Widerspruchsfrist. Gläubigerversammlungen seien aufgrund der Corona-Krise derzeit nicht vorgesehen. „Auch an dieser Stelle versuchen die Gerichte, weitestgehend Kontakt zu vermeiden und Anliegen schriftlich zu lösen“, erklärt Köster.

Hafen-Areal könnte künftig touristisch genutz werden

Ein Verkauf der Anlage in Anklam steht immer noch im Raum, um Gläubigeransprüche aus dem Verkaufserlös gegebenenfalls begleichen zu können. Dazu habe es bereits einen Vor-Ort-Termin des Insolvenzverwalters mit der Stadt geben. „Die Stadt ist da mein erster Ansprechpartner“, sagt Köster. Er wisse dementsprechend auch von den Plänen, das Areal künftig eher unter touristischen Aspekten entwickeln zu wollen. Zudem gehört der Stadt bereits ein Großteil des Hafen-Areals. Dazu zählen auch die Flächen, auf denen etwa die beiden Hallenanbauten am alten Speicher stehen. Sie seien über einen Erbbaurechtsvertrag gebunden.

Gleichwohl gebe es seines Wissens nach kein Vorkaufsrecht der Stadt, merkt Köster an. Er wolle deshalb jetzt auch noch keine konkreten Aussagen zu einem möglichen Verkauf machen. Hinzukomme, dass die Ölmühle als Spezialobjekt auch mit großen Anlageneinbauten nicht gerade leicht zu vermitteln ist. Auch ein aufwendiger Rückbau würde Kosten verursachen.

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