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Momentaufnahmen aus dem Gefängnis

Fördermittel aus dem Brandenburgischen Ministerium für Justiz gibt es nicht allzu häufig. Der Ländliche Arbeitsförderverein Prenzlau und die Fotografin Angela Fensch können damit ein ganz besonderes Projekt weiterführen.

Manchmal zeigen die Fotos von Angela Fensch (links) auch das familiäre Umfeld der Inhaftierten, die an ihrem Projekt "3x3" teilnehmen.
Manuela Lenz Manchmal zeigen die Fotos von Angela Fensch (links) auch das familiäre Umfeld der Inhaftierten, die an ihrem Projekt "3x3" teilnehmen.

Der junge Mann ist frisch rasiert, trägt Markensportkleidung. Die Oberarme sind durchtrainiert, das Haar ist ordentlich gekämmt und auch sonst wirkt der Endzwanziger irgendwie gewöhnlich. Man sieht ihm nicht an, dass er im Gefängnis saß. Zwei Jahre lang. „Wegen Beschaffungskriminalität“, erzählt er freimütig. Durch den Drogenkonsum – er sagt „konsumiert“, nicht „gekifft“ oder „gefixt“ – sei er immer weiter in den Abgrund gerutscht. Abwärts auf der Spirale aus Konsum und Sucht und vermeintlicher Perspektivlosigkeit. Er ist einer von 42 ehemaligen Insassen deutscher Justizvollzugsanstalten (JVA), die die Fotografin Angela Fensch für ihr Langzeitprojekt „3x3“ fotografieren durfte. Nach den ersten Aufnahmen im Jahr 2008 bannte Angela Fensch die jungen Menschen 2011 ein zweites Mal auf Fotopapier. Jetzt, wieder drei Jahre später, steht der dritte Termin bevor.

Zumeist stehen oder sitzen ihre Modelle. Vor einer Gefängnismauer, in einer Zelle, auf einem Spielplatz, auf der Wohnzimmercouch. Manchmal ist die Freundin dabei oder die Kinder. Immer schauen die Menschen genau in die Kamera, selten lächeln sie. Jedes Foto für sich erzählt eine Geschichte. Angela Fensch hat sie aufschreiben lassen. Auch, dass die jungen Leute ihr über dreimal drei Jahre für ihr Projekt zur Verfügung stehen, hat sie schriftlich. Dennoch: „Die schwierigste Arbeit ist die Recherche nach den Menschen, sie melden sich ja bei mir nicht ab, wenn sie umziehen – oder wieder einsitzen.“

Als Jugendschöffin am Amtsgericht Schwedt kam der Fotokünstlerin, die eine Zeit lang in der Uckermark lebte, die Idee, den Werdegang junger Verurteilter im Bild festzuhalten. „Ich wollte sehen, wie sie sich im Lauf der Zeit verändern. Wollte sehen, was diese Angebote im Gefängnis für die Entwicklung dieser jungen Menschen bedeuten. Das sagt auch immer etwas über unsere ganze Gesellschaft aus.“