:

Freundschaft übersteht alle Hürden

Wer hat die Oberhand beim Anschneiden der Torte?
Wer hat die Oberhand beim Anschneiden der Torte?
Ivonne Hackbarth

Mit einem großen Festakt feierten Prenzlau und Pochwistnewo ihre 20-jährige Partnerschaft. Davon, dass diese allen Zweiflern zum Trotz nicht formal geblieben ist, sondern gelebt wird, zeugte nicht nur das musikalische Intermezzo des Kammerchores.

Am Anfang stand die Skepsis. Wie sollte man es schaffen, eine Freundschaft über 3000 Kilometer zu pflegen und sie mit Leben zu füllen? Wie die Sprachbarriere überwinden? Die Vorbehalte waren groß, doch es funktionierte. Überdies besser als erwartet. Enge Kontakte und sogar Freundschaften entstanden und überdauerten jegliche politischen Stürme. Die Zweifel sind inzwischen der Erfahrung gewichen, und so begingen am Sonnabend die Städte Prenzlau und das russische Pochwistnewo ihre 20-jährige Partnerschaft mit einem großen Festakt in der Aula des Christa-und-Peter-Scherpf-Gymnasiums. Bereits in der Woche zuvor weilte eine Delegation aus der Partnerstadt in der Uckermark, um an den Festlichkeiten teilzunehmen.

Am 4. September 1997 hatten die damaligen Bürgermeister Jürgen Hoppe und Wladimir Filipenko den Städtepartnerschaftsvertrag in der Philharmonie von Samara vor rund 1000 Gästen und im Beisein von Bundespräsident Professor Roman Herzog unterzeichnet. In seiner Rede erinnerte Hoppe daran, dass die Unterzeichnung des Dokumentes damals hoch angesiedelt war und es ein sehr würdiger Moment für ihn gewesen sei. „Die Unterschrift hat das gehalten, was wir damals vorhatten und abgesprochen haben.“

Bewunderung wegen gelungenem Stadtumbau

Das sah auch Hoppes damaliger Amtskollege Wladimir Filipenko so. Er schilderte in seinem Rückblick, dass die russischen Besucher viel auf ihren Reisen in die Uckermark-Kreisstadt gelernt hätten, insbesondere was die Marktverhältnisse und den Stadtumbau am Uckersee angeht. Angesichts des Altersdurchschnitts der mitgereisten Pochwistnewoer stimmte Filipenko seinem Vorredner Hoppe zu, welcher seine Ausführungen mit „Mögen sich immer wieder Menschen finden, die diese Partnerschaft hegen und pflegen.“ abgeschlossen hatte.

Dr. Hans-Ulrich Mrowitz, Gründungsmitglied des Städtepartnerschaftsvereins, gab einen kurzen Abriss über die Entwicklung der partnerschaftlichen Beziehungen, die sich vor allem auf kultureller Ebene und über den Schüleraustausch entwickelt hatten. Mrowitz erzählte von gegenseitigen Besuchen, die geprägt waren von Neugierde auf die unterschiedlichen Lebensweisen und Kulturen, von Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem und die vor allem begleitet waren von jeder Menge Emotionen. Letzteres mache die Partnerschaft zwischen Prenzlau und Pochwistnewo, die jegliche Embargos und bürokratische Hürden inzwischen 20 Jahre überdauerte, zu etwas Besonderem.

Neufassung des Lieblingsliedes

Ein klingendes Zeugnis einer lebendigen Freundschaft übermittelten Jürgen Bischof und sein Kammerchor der russischen Delegation. Bevor sich Wladimir Filipenko in das Goldene Buch der Stadt Prenzlau eintrug, widmeten die Sänger den Gästen ein besonderes musikalisches Intermezzo: „Es blühte ein Vogelbeerbaum“. Dieses Lied hatten Bischofs Chöre schon einige Male bei Besuchen an der Wolga aufgeführt, und die Russen liebten es. Für den Festakt hatte Bischof das Stück umgeschrieben, sodass die Gäste eine neue Fassung für Chor und Streicher zu hören bekamen.

Nach dem offiziellen Festakt gab es eine weitere Überraschung für die russischen Gäste. Gundula Grosch vom Prenzlauer Café Klatsch hatte eine riesige Torte gezaubert, die mit den Wappen der beiden Partnerstädte verziert war.