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Testpersonen bei Gesichtserkennungs-Versuch getäuscht

Am Bahnhof Berlin-Südkreuz werden seit Anfang des Monats Gesichter mithilfe von Überwachungskameras erkannt. Das Pilotprojekt soll neue Methoden in Zeiten des Terrorismus ausloten. Die Kritik daran reißt nicht ab.

Im Berliner Bahnhof Südkreuz testet die Bundespolizei derzeit die Möglichkeiten der Videoüberwachung.
Paul Zinken Im Berliner Bahnhof Südkreuz testet die Bundespolizei derzeit die Möglichkeiten der Videoüberwachung.

Datenschützer haben der Bundespolizei vorgeworfen, die Testpersonen bei dem Berliner Pilotprojekt zur automatischen Gesichtserkennung getäuscht zu haben. „Der Transponder, den die Testpersonen am Bahnhof Südkreuz zur zusätzlichen Identifikation bei sich tragen müssen, sammelt weit mehr Daten, als die Bundespolizei den Versuchspersonen mitgeteilt hat”, erklärte die Datenschutz-Organisation Digitalcourage am Montag. Der auf sechs Monate angelegte Versuch müsse abgebrochen werden.

Bundespolizei gibt keine Stellung zu Vorwürfen ab

Die Testpersonen müssten sogenannte iBeacons dabei haben. Das seien Bluetooth-Sensoren mit Stromversorgung, die ihre Identifikationsnummer bis zu 20 Meter senden und viele weitere Daten wie Beschleunigung, Temperatur und Neigung des Untergrunds sammeln könnten. Daraus ließen sich Schlüsse ziehen, was die Menschen außerhalb des Testgebiets getan hätten. „An keiner Stelle haben die Testpersonen so einer Nutzung zugestimmt.”

Der Bundespolizei waren die Vorwürfe am Montag bekannt, Stellung nahm sie aber noch nicht dazu. Am Donnerstag will sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) im Bahnhof über den Test informieren.

Seit dem 1. August wird in Berlin untersucht, wie gut Überwachungskameras und Computer die Gesichter von Passanten automatisch erkennen können. Von dem Pilotprojekt versprechen sich die Behörden neue Erkenntnisse zur Abwehr möglicher Terrorakte. Etwa 300 Menschen hatten sich für den Test freiwillig gemeldet.