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Verein will Stasi-Opfer zu Wort kommen lassen

Das Neustrelitzer Gefängnis der DDR-Staatssicherheit steht für ein dunkles Kapitel ostdeutscher Geschichte. Das Haus soll mehr werden als nur ein Gedenk- und Erinnerungsort.

Die Veranstaltung am Sonnabend bot die Möglichkeit mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen. Sie schilderten ihre Erlebnisse aus der zu unrecht erfahrenen Gefangenschaft.
Tobias Lemke Die Veranstaltung am Sonnabend bot die Möglichkeit mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen. Sie schilderten ihre Erlebnisse aus der zu unrecht erfahrenen Gefangenschaft.

Geht es nach dem Verein „Stasi-Haftanstalt Töpferstraße” soll mittelfristig ein Zeitzeugenprojekt ins Leben gerufen werden. Gemeinsam mit dem Kulturquartier hat der Verein bereits dafür gesorgt, dass das ehemalige Neustrelitzer Stasi-Gefängnis als Erinnerungsort seit einigen Monaten wieder regelmäßig besucht werden kann. Nächstes wichtiges Ziel sei es nun, die Geschichten der Opfer zu dokumentieren, mit ihnen Interviews zu führen und die Betroffenen über das Erlebte berichten zu lassen, erklärte der stellvertretende Vereinsvorsitzende Falk Jagszent bei einer Gedenkveranstaltung am Sonnabend.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass beim Verein eine gesicherte finanzielle Situation einkehrt. Die gibt es derzeit nämlich nicht. „Wir haben noch kein tragfähige Basis. Es wird uns immer von allen Seiten bestätigt, wie toll und wichtig wir sind, wenn es aber ums Geld geht, gibt es keine konkreten Aussagen”, so Jagszent. Insbesondere geht es um jährlich 2000 bis 2500 Euro Betriebskosten, die der Verein nicht selbständig aufbringen kann. Bis auf den Landkreis, der 500 Euro zugesagt habe, gibt es derzeit keine weitere Unterstützung. Ob sich die Stadt Neustrelitz beteiligen wird, soll auf der nächsten Stadtvertretersitzung im Juli geklärt werden.

Eine bessere Unterstützung des Neustrelitzer Stasi-Haftanstalt-Vereins fordert auch der Rostocker Vorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) Dr. Fred Mrotzek. Für ihn ist das ehemalige Stasi-Gefängnis mehr als nur ein Ort des Gedenkens und Erinnerns. „Es sollten immer auch eine Stätte des Lernens sein”, sagte er. An jedem 17. Juni erinnert die VOS-Landesgruppe an einem Ort in Mecklenburg-Vorpommern, der für Unterdrückung steht, an den niedergeschlagenen Volksaufstand von 1953 in der DDR. In diesem Jahr fiel die Wahl auf das ehemalige Stasi-Gefängnis in Neustrelitz – auch weil man um die Projektvorhaben einerseits und die schwierige finanzielle Lage des Vereins anderseits wisse und darauf aufmerksam machen wolle.