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Diesel-Gate im Heil- und Kurbad Waren

Manipulierte Abgaswerte haben auch die Warener sensibilisiert – nicht nur beim erhöhten Schadstoffausstoß von Autos. Auch die Bahn steht massiv in der Kritik.

An wärmeren und kälteren Tagen "dieselt" die Lok der Bahn auch während der einstündigen Wartezeit am Warener Bahnhof.
Andreas Becker An wärmeren und kälteren Tagen „dieselt” die Lok der Bahn auch während der einstündigen Wartezeit am Warener Bahnhof.

Das Schauspiel spielt sich regelmäßig ab. Bevorzugt an kalten und warmen Tagen. Dann rollt die Regionalbahn aus Malchow auf Gleis drei am Warener Bahnhof ein, spuckt ihre handvoll Fahrgäste aus und wartet auf ihre 58 Minuten später beginnende Rückfahrt in Richtung Inselstadt. „Doch diese fast einstündige Wartezeit werden die Dieselmotoren nicht abgestellt, sondern nageln rhythmisch und laut hörbar weiter”, haben sich Einheimische und Touristen verwundert an die Nordkurier-Redaktion gewandt.

In dieser Wartestunde seien nicht nur die vielen Fahrgäste auf den Bahnsteigen den hohen Abgasbelastungen ausgesetzt, auch das gesamte umliegende Bahnhofsviertel sei durch die Abgaswolke spürbar belastet gewesen, kritisieren die Bürger – und fordern ein Abschalten der Motoren.

Heizung und Klimaanlage betreiben

Luftverpestung am Bahnhof? Mit den laufenden Dieselmotoren konfrontiert, zuckt die Stadtverwaltung des Kur- und Heilbades Waren mit den Schultern. „Eine Luftverpestung ist uns nicht bekannt. Das würden wir auch nicht gut heißen. Es gibt sicher Gründe, vielleicht technische, die uns als Stadt aber nicht vorliegen.”

Aussagekräftiger ist da schon das Statement der Deutschen Bahn AG. „Grundsätzlich sind unsere Betriebspersonale angewiesen, drei Minuten nach Ankunft die Motoren abzustellen. Dies gilt natürlich nicht, wenn im Fahrzeug Reisende auf die nächste Abfahrt warten und es, abhängig von der Witterung, erforderlich sein sollte zu heizen beziehungsweise zu klimatisieren”, macht Burkhard Ahlert, Pressesprecher der Bahn für die Bereiche Berlin/Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, deutlich.
 

 

 

Kommentare (3)

Wenn ich das Bild betrachte, dann sieht es so aus, dass die Strecke elektrifiziert ist. Als Betreiber würde ich es mal mit einer E-Lok probieren. Als Zugezogener gibt es für mich eine weitere Quelle der Luftverschmutzung, und zwar den Schiffsverkehr. Wir haben letztens am Lenzer Hafen gesessen, Kaffee getrunken und die vorbeifahrenden Schiffe beobachtet. Der permanente Abgasgestank hat uns dann vorzeitig aufbrechen lassen. Wenn man bedenkt, wie lange es schon Abgasverordnungen für den Straßenverkehr gibt, bin ich verwundert, dass es in anderen Bereichen nichts der Gleichen zu geben scheint. Übrigens, Waren wirbt mit Attributen, wie Luftkurort und Solheilbad.

... ist nicht elektrifiziert. Da wird es schwierig mit einer E-Lok. Prinzipiell jedoch gebe ich Ihnen recht. Und würde noch Linien- und Reisebusse hinzufügen. Auch dort laufen oft sommers wie winters die Motoren, um Heizung oder Klimaanlage zu betreiben.

Das habe ich befürchtet. Im Jahr 27 in der Marktwirtschaft haben es Politik und Wirtschaft nicht geschafft die Elektrifizierung der Bahnstrecken voranzutreiben. Naja, Hauptsache Prestigeprojekte wie S21, oder ICE von Berlin nach Dresden. Ich würde mich freuen, wenn hiesige Lokal- Landes- und Bundespolitiker hier mal Druck machen würden, dann könnte mit umweltfreundlichen Antriebstechnologien geworben werden. Das würde auch den Slogan an den Autobahnen rechtfertigen "Willkommen im Land zum Leben". Als Zugezogener werde ich den Finger diesbezüglich in offene Wunden legen. Aus meiner Sicht hilft nur konstruktive Kritik, um auch diese Region vorwärts zu bringen.