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Kommt das klimafreundliche Auto?

Geht es nach dem Willen der EU-Kommission gehört dieses Bild bald der Vergangenheit an.
Geht es nach dem Willen der EU-Kommission gehört dieses Bild bald der Vergangenheit an.
Jan Woitas

Die EU-Kommission will am Mittwoch neue Kohlendioxid-Grenzwerte für Autos und Vans vorstellen – und dafür müssen sich die Hersteller nach der Decke strecken. Ohne abgasfreie Modelle wird es nicht gehen.

Geplant ist eine Revolution, zumindest eine kleine. Millionen Autos, die sich an Hunderttausenden Stromtankstellen überall in Europa blitzschnell mit sauberem Ökostrom aufladen und dann geräuschlos und abgasfrei davonbrausen – so stellt sich die EU-Kommission die Zukunft in fünf oder zehn Jahren vor. Den ersten Schritt dorthin will die Brüsseler Behörde am Mittwoch mit ihrem Paket für sauberen Verkehr und Klimaschutz tun.

Was plant die Kommission?

Kern des Pakets sind schärfere Kohlendioxid-Grenzwerte für Autos bis 2030. Bis 2021 ist schon alles geregelt: Die Hersteller müssen die Wagen so verbessern und sparsamer machen, dass neue Modelle im Schnitt nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Ab 2022 soll es dann nach der zuletzt debattierten Vorlage der Kommission bis 2030 noch einmal um 30 Prozent herunter gehen. Für 2025 wird ein Etappenziel von minus 15 Prozent anvisiert. Über die Zahlen und Details wurde allerdings bis zuletzt gestritten.

Wieso geht es um Elektroautos?

Betreibt man E-Autos mit Ökostrom, fahren sie quasi ohne Abgase. Die ehrgeizigen Ziele des Pariser Klimaabkommens – und die geplanten CO2-Vorgaben der EU – sind ohne solche abgasfreien Autos kaum zu erreichen. Die Kommission will zwar keine Quoten vorschreiben, plant aber ein Anreizsystem. Autobauer sollen dem Vorschlag zufolge bis 2025 unter ihren verkauften Neuwagen mehr als 15 Prozent emissionsarme Autos haben, bis 2030 dann mehr als 30 Prozent.

Das wäre ein gewaltiger Sprung, 2016 lag der Anteil bei rund einem Prozent. Schaffen die Hersteller das, sollen sie einen Nachlass bei den CO2-Vorgaben bekommen. Profitieren könnten von dem System auch andere Technologien wie etwa Wasserstoffantriebe, doch haben die derzeit eine noch winzigere Nische als Elektroautos.

Schafft das die Industrie?

Die EU-Kommission gibt sich überzeugt, dass mit der Mischung aus Vorschriften und Anreizen im nächsten Jahrzehnt der Automarkt neu aufgerollt wird – und das ohne große Jobverluste. Voraussetzung für attraktive E-Autos sind allerdings leistungsfähigere Batterien, die möglichst in Europa produziert werden sollen, und ein dichtes Netz von Ladestationen. Die Kommission verspricht für den Aufbau 800 Millionen Euro.

Die Industrie selbst stapelt tief. Freiwillig vorgeschlagen hat der europäische Herstellerverband ACEA nur ein CO2-Minderungsziel von 20 Prozent, und das auch nur, wenn sich die Nachfrage der Verbraucher nach Elektrofahrzeugen entsprechend entwickele. Zudem setzen die Autobauer weiter auf den Diesel. Moderne Typen stießen nur sehr wenig Schadstoffe aus und leisteten einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele, schreibt ACEA in einem Positionspapier.

Reichen die Kommissionspläne für den Klimaschutz?

Die europäischen Grünen sagen: Nein. Sie haben nach eigenen Angaben die Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen umgerechnet und kommen auf viel drastischere Vorgaben für den Autoverkehr, der für rund 15 Prozent der CO2-Emissionen in Europa verantwortlich ist. Nötig sind demnach eine Senkung dieser Emissionen um 60 Prozent bis 2030 und eine Elektro-Quote von 50 Prozent schon 2025.

Können sich normale Leute künftig noch ein Auto leisten?

Elektroautos schrecken viele Verbraucher mit weit höheren Anschaffungskosten. Das gilt nicht nur für Modelle des US-Trendherstellers Tesla für 90.000 Euro und mehr. Auch europäische Kleinwagen sind als Stromautos meist Tausende Euro teurer als mit herkömmlichem Verbrennungsmotor. Die Kommission erwartet aber einen Preissturz, sobald die Elektroautos zur Massenware werden. Schon Anfang des nächsten Jahrzehnts soll es soweit sein.