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Diesel-Fahrverbote sind Wahnsinn - oder nicht?

Fahrverbote für Autos mit Dieselmotor? Unsere Kommentatoren steigen angesichts dieses Szenarios in den Ring und schlagen sich die Argumente um die Ohren.

Fahrverbote für Diesel-Autos? Was halten Sie davon?
Marijan Murat / dpa Fahrverbote für Diesel-Autos? Was halten Sie davon?

Geht es nach der Autoindustrie, sollen Nachrüstungen ausreichen, um Fahrverbote für alte Diesel mit schmutzigen Abgasen zu vermeiden. Das Stuttgarter Verwaltungsgericht sieht das anders – Besitzer älterer Dieselwagen müssen nach einem aktuellen Urteil weiter mit Fahrverboten rechnen. Was denken unsere Kommentatoren darüber?

Die Zahlen lügen nicht
(Kommentar von Friederike Zörner)

Sehen kann man Stickstoffdioxid nicht. Das Gas geht im Dunst deutscher Städte unter. Und doch lässt sich seine Existenz nachweisen. Die Messstation am Stuttgarter Neckartor hat für das vergangene Jahr einen Mittelwert von 82 Mikrogramm pro Kubikmeter ermittelt. Das ist das Doppelte von dem, was Experten dem Menschen zumuten würden.

Stuttgart ist ein Extrem-, aber mitnichten ein Einzelfall. Andere Stationen in Städten wie Berlin, Potsdam oder Hamburg messen zwar geringere Jahresdurchschnitte – liegen allerdings über den erwünschten 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Wer Schuld hat, ist unmissverständlich klar: der Mensch. Namentlich derjenige mit einem fahrbaren Untersatz – Modell „alter Diesel“.

Stickstoffdioxid kann Atemwegsprobleme und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen. Nur eine Reduktion der Quelle allen Übels kann da Abhilfe schaffen. Die bequeme Mobilität muss dem Gemeinwohl untergeordnet werden. Ein angedachtes Fahrverbot in Stuttgart wird in der Folge keineswegs eine bundesweite, hysterische Diesel-Diffamierung auslösen. Dafür ist die Problematik in der Stadt mit Kessel-Lage dann doch zu extrem.

Doch selbst wenn andere Städte wie München oder Berlin nachziehen sollten, wird sich der gemeine Großstädter angesichts der guten öffentlichen Infrastruktur ohnehin nicht schocken lassen. Und während der Fahrt mit Bus und Bahn hat er oder sie dann genügend Zeit für die Zeitungslektüre.

Populistische Symbolpolitik
(Kommentar von Jürgen Mladek)

Die Luft in Deutschland wird immer besser, seit Jahrzehnten dauert diese positive Entwicklung schon an. Das muss sogar das Bundesumweltamt bestätigen, das eigentlich viel lieber alarmistische Weltuntergangsszenarien beschwört. Und die Diesel werden immer sauberer und effizienter. Das wiederum bestätigte jüngst sogar die Deutsche Umwelthilfe mit eigenen Stickoxid-Messungen im Realbetrieb, also jener grün bemäntelte Abmahnverein, dessen Geschäftsmodell darin besteht, die Industrie zu verteufeln und der jetzt das Urteil für Diesel-Fahrverbote erstritten hat.

Wohlgemerkt für alle Diesel, nicht einmal für die saubersten Motoren, die man selbst unter die Lupe nahm und in die zum Beispiel Mercedes gerade drei Milliarden Euro investierte, soll es Ausnahmen geben. Das zeigt, dass es hier um reine Symbolpolitik von Autohassern geht, mit der letzten Endes der komplette Individualverkehr abgeschafft werden soll.

Denn nach dem Diesel, der zu Recht als wichtiger Baustein in der Klimapolitik gehandelt wurde, ist mit Sicherheit auch bald der Benziner „böse“. Wie normale Menschen dann zur Arbeit kommen sollen – egal. 27 führende Professoren deutscher Technik-Universitäten haben gegen diesen Wahnsinn unterschrieben. Vernünftiger als nur lokal wirksame Verbote seien Nachrüstungen und weitere Verbesserungen der zukünftigen Diesel-Antriebe. Aber wer hört schon auf die Wissenschaft, wenn Verbieten doch viel mehr Spaß macht.

Jetzt sind Sie dran, liebe Leser! Wer konnte Sie überzeugen?

 

 

 

Kommentare (3)

Die Automobilhersteller haben das Problem, dass die hohen Grenzwerte von Feinstaub und Stickoxid es faktisch unmöglich machen, technologisch beides in den Fahrzeugen hinzubekommen. So jubelt denn der ökobewusste Bürger, dass Stickoxid in Stuttgart verbannt und Feinstaub erhöht wird. Man könnte es als Teilerfolg werten und als Nächstes den Benziner verbannen (Feinstaubschleuder Nr.1 bei den Kfz). Letztendlich hat man mit einem Dieselverbot aber ökologisch nichts erreicht.

Wenn dem so waere, warum dann die KFZ Industrie ueber Jahre gelogen u. betrogen fass sich die Baljen biegen ? Warum hst KBA und die Autokanzlerin mitgeholfen Erkenntnisse zu verschleiern ? Technisch ist ein sauberer Diesel moeglich er kostet eben 1500 bis 2000€ mehr, nur diese Gelder nehmen Autokaeufer Lieber um ihre Karre mit unnötigen Firlefanz aufzumotzen. Was hier nun geschieht, ware vergleichbar mit der Abwrackpraemie 1990, die Autoindustrie bekaeme durch Neuanschaffungen Gelder zugeschustert um ihre verschlafene E Autoentwicklung finanzieren zu koennen ohne sekbst in die Kasse greifen zu muessen. Diese Industrie im Konglomerat mit KBA Regierung u.Lobbyverbaenden ust das kriminellste Organ das Europa jemals hatte. Die Mafia ist ein Kindergarten dagegen.

Es handelt sich nicht um hohe Grenzwerte, denn dann würden sie ja nicht so oft überschritten werden. Es sind eben die niedrigen Grenzwerte, deretwegen die Automobilindustrie sich (nicht) gezwungen sieht, die Verbesserung der Technologie zur Gemischbildung Kraftstoff-Luft zu intensivieren, entweder außerhalb des Verbrennungsraumes oder durch besondere Düsenstrahlrichtungen innerhalb des Verbrennungsraumes, oder durch Beimengungen chemischer Stoffe zur schadstoffarmen Verbrennung beizutragen. Man kann die Auspuffgase nicht beliebig oft filtern, weil dadurch deren Ausströmgeschwindigkeit gebremst würde, was wiederum den Füllungsgrad des Verbrennungsraumes mit Luft reduziert. Ein Fahrverbot für Diesel aller Art wird es bundesweit niemals geben können, das Fahrverbot hieße, 40 Prozent der Fahrzeuge von Beförderung und Transport auszuschließen.