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Schwierige Mitarbeiter-Suche in Frauenhäusern

Frauenhäuser helfen Opfern sexualisierter und häuslicher Gewalt.
Frauenhäuser helfen Opfern sexualisierter und häuslicher Gewalt.
Peter Steffen/Symbolbild

Wer im Frauenhaus oder in einer Beratungsstelle für Gewaltopfer arbeiten will, muss studiert haben. Doch die Sozialpädagogen können nicht adäquat bezahlt werden.

„Dafür habe ich nicht studiert” – diesen Satz hört Reinhard Marschner immer öfter in Bewerbungsgesprächen. Der Geschäftsführer des Vereins Quo Vadis, der in Neubrandenburg das Frauenhaus betreibt und Gewaltopfer berät, berichtet von wachsenden Problemen bei der Stellenbesetzung. Im Frauenhaus der Viertorestadt sei eine der zwei Sozialpädagogen-Stellen sieben Monate lang unbesetzt geblieben, sagte er am Dienstag in Schwerin.

Die Beratungsstelle für Opfer sexualisierter Gewalt in Neubrandenburg habe zwei Monate schließen müssen, weil die einzige Stelle nach dem Weggang der Mitarbeiterin erst einmal nicht nachbesetzt werden konnte.

Freie Stellen blieben unbesetzt, weil die Gehälter zu niedrig sind

Sprecher verschiedener Träger sagten übereinstimmend, dass seit 2005 eingefrorene Landeszuschüsse die Frauenhäuser und Beratungsstellen in MV vor existenzielle Probleme stellten. Rund 70 Mitarbeiter – die meisten von ihnen Frauen – in den landesweit 32 Einrichtungen arbeiteten bis zu 48 Prozent unter Tarif.

Freie Stellen blieben monatelang unbesetzt, weil die Gehälter zu niedrig seien. Bedürftige könnten nicht die Hilfe erhalten, die sie benötigen. Trotz vieler Gespräche mit dem Sozialministerium und den Regierungsfraktionen solle es auch 2018/2019 nicht mehr Geld geben.

Die Träger der Frauenhäuser und Beratungsstellen fordern eine jährliche Steigerung der Landeszuschüsse zum Ausgleich der Kostensteigerungen. Man habe den Eindruck, der Sparstrumpf der Landesregierung zu sein, sagte der Geschäftsführer der AWO Schwerin-Parchim, Axel Mielke.

Viele Träger sind inzwischen am Limit

Das Problem eingefrorener Landeszuschüsse haben viele Träger, die soziale Dienste anbieten. Vor wenigen Wochen hatte der Paritätische Wohlfahrtsverband ebenfalls davon berichtet. Seit 2013 seien die Zuschüsse für Beratungsstellen eingefroren und der Entwurf der Landesregierung für den Doppelhaushalt 2018/19 sehe erneut keine Steigerung vor, hatte der Vorsitzende Wilhelm Bluschke im Oktober gesagt.

Viele Träger seien inzwischen am Limit, wie die Schwangerschaftsberatung von Pro Familia oder die Beratungsstelle des Elternverbandes hörgeschädigter Kinder in MV. Erste Träger überlegten, ihre Beratungsangebote einzustellen.

Bluschke und auch die Träger der Frauenhäuser warfen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) vor, gute Löhne für gute Arbeit zu fordern und dann zuzusehen, wie gute Arbeit schlecht bezahlt werde, weil das Land seine Zuschüsse seit Jahren nicht an die Tarifentwicklung anpasse.

Sozialministerin Drese zeigt sich verständnisvoll

Die Inflationsrate sei von 2005 bis 2017 um 18,5 Prozent gestiegen. Viele Kollegen nähmen seit Jahren real einen Lohnverzicht in Kauf. Die Bezüge der Landtagsabgeordneten seien hingegen seit 2006 um 27,3 Prozent gestiegen, die des Ministerpräsidenten um 29,8 Prozent.

Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) äußerte Verständnis für das Anliegen der Frauenhäuser und Beratungsstellen. „Ich kann verstehen, dass es Enttäuschung darüber gibt, dass die Personalkostenförderung im Beratungsbereich noch nicht gestiegen ist”, sagte sie und versicherte, das Thema auf der politischen Agenda zu haben. „Bei der Personalkostenförderung muss sich was bewegen.” Notwendig seien aber auch strukturelle Veränderungen bei den Trägern.

Beratung für Betroffene sexualisierter Gewalt

  • Caritas-Regionalzentrum Greifswald: Bahnhofstr. 16, 17489 Greifswald, Tel.: 03834 / 798 31 99, Mail: anonym@caritas-vorpommern.de
  • Beratungsstelle „Maxi“ für Betroffene von sexueller Gewalt (Quo Vadis e.V.), Helmut-Just-Str. 4, 17036 Neubrandenburg, Tel.: 0395 / 570 666 1, Mail: bsmaxi@gmx.de
  • Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt (Frauen helfen Frauen e.V.), Ernst-Haeckel-Str. 1, 18059 Rostock, Tel.: 0381 / 440 32 90, Mail: fachberatungsstelle@fhf-rostock.de
  • Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt (AWO), Arsenalstr. 15, 19053 Schwerin, Tel.: 0385 / 555 73 52, Mail: bgsg@awo-schwerin.de
  • MISS. Beratungsstelle für Betroffene sexualisierter Gewalt (CONDUIT e.V.), Ringstraße 114, 18528 Bergen/Rügen, Tel: 03838 / 25 45 45, Mail: kontakt@miss-beratungsstelle.de
  • Beratungsstelle gegen häusliche Gewalt und Frauen in Not, AWO Kreisverband Uckermark e.V.,
    Klosterstr. 16, 17291 Prenzlau, Telefonnummer: 039846894, E-Mail: rekis@awo-uckermark.de