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An abgesackter A20 kann es keine Behelfsbrücke geben

Das abgesackte Autobahnteilstück der A20 an der Trebeltalbrücke bei Tribsees.
Das abgesackte Autobahnteilstück der A20 an der Trebeltalbrücke bei Tribsees.
Bernd Wüstneck

An der abgesackten A20 bei Tribsees wird nun doch keine Behelfsbrücke errichtet. Der Untergrund habe sich als nicht tragfähig genug erwiesen, so Verkehrsminister Pegel.

Die ursprünglich geplante Behelfsbrücke an der abgesackten Autobahn 20 bei Tribsees wird nun doch nicht gebaut. Neue Untersuchungen hätten ergeben, dass der Baugrund westlich der Unglücksstelle nicht tragfähig genug ist, erklärte das Schweriner Verkehrsministerium am Dienstag. Die Straße verläuft an dieser Stelle über eine sogenannte "Moorlinse" und wird durch Betonsäulen gestützt. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Straßendamm weiter absetzt und abbricht, wie es Ende September auf einer Länge von 40 Metern passiert war.

Ursprünglich war geplant, den Verkehr ab kommenden Sommer über eine noch zu errichtende 100 Meter lange Behelfsbrücke zu leiten. Der Bau der Brücke war an die Bedingung geknüpft gewesen, dass der Damm westlich der Abbruchstelle für zwei bis drei Jahre stabil genug ist, um den Verkehr aufzunehmen. "Die Aussagen der Gutachter stellen nun leider fest, dass dies nicht so ist. Da wir keinesfalls die Sicherheit der Autofahrer gefährden können, müssen wir diese Möglichkeit verwerfen", erklärte Verkehrsminsiter Christian Pegel (SPD). Die Autobahn ist derzeit an der Stelle voll gesperrt.

Derzeit müssen Autofahrer die Unglückststelle in beiden Richtungen umfahren. Seit zwei Wochen gibt es eine Behelfsausfahrt. Die Strecken führen durch Langsdorf, Tribsees und andere Gemeinden in der Nähe, wo Anwohner nun schon seit Wochen über die Lärmbelästigung klagen. Es gab bereits einige Unfälle auf der Umfahrung.

Neue Wege frühestens im Sommer 2018

Der neue Plan des Ministeriums ist nun, eine ehemalige Behelfsstraße östlich von Langsdorf zu reaktivieren. Diese Straße wurde während der Bauzeit der A20 bis etwa 2005 genutzt. Während der abgesackte Abschnitt der Autobahn in den kommenden Jahren repariert wird, soll der Verkehr wieder dort entlang geführt werden. "Wir fangen nicht bei Null an. Wir haben auch für diese Umfahrungsalternative bereits Vorbereitungen getroffen, während das Hauptaugenmerk noch auf der Behelfsbrücke lag", erklärt Manfred Rathert, Leiter des Landesamts für Straßenbau und Verkehr.

Allerdings könne man erst im Januar 2018 abschätzen, ob und wie diese Variante tatsächlich umgesetzt werden könnte. Das bedeutet somit auch: So langsam gehen dann den Straßenbauern die Möglichkeiten aus.

"Wir drücken auf's Gas"

Rathert spricht von einigen "Unwägbarkeiten". So seien die Stützen, die die Straße im moorigen Untergrund während des Autobahnbahn-Baus trugen, bereits nach Fertigstellung der A20 wieder abgebrochen worden. „Wir müssen deshalb eine geeignete neue Gründung für diese Straße bauen“, sagt Manfred Rathert. Wenn diese Probleme gelöst sind, könne man die neue etwa einen Kilometer lange Umfahrung frühestens im Sommer 2018 in Betrieb nehmen, sagt Pegel und weiter: "Ich gehe davon aus, dass alle Beteiligten um die Dringlichkeit einer verträglichen Lösung für Autofahrer und Anwohner wissen und hoffe deshalb auf Unterstützung." Die A20 ist eine wichtige Route für Ostsee-Urlauber in die Region.

Langfristiges Ziel sei es, die A20 als wichtige Ost-West-Achse durch Mecklenburg-Vorpommern sobald wie möglich wieder eröffnen zu können. In wie vielen Jahren es soweit sein wird, ist noch nicht abzusehen. "Angesichts des Umfangs der Sanierung wird dafür einige Zeit erforderlich sein", so Pegel. "Wir drücken hier auf's Gas, machen aber keine Abstriche an der erforderlichen Sorgfalt und Gründlichkeit."

Die Rügener Bundestagsabgeordnete Kerstin Kasser (Linke) forderte den Bund bereits vor einem Monat auf, schnellstmöglich für eine wirklich tragfähige Übergangslösung an der Unglücksstelle zu sorgen. Spätestens bis zum Beginn der nächsten Urlaubssaison im neuen Jahr müsse es eine belastbare Lösung geben. Andernfalls drohe der Region ein gewaltiger ökonomischer Schaden „in noch gar nicht absehbarem Ausmaß“.

Kommentare (1)

... und wer einen "Staudamm" in ein wieder vernässtes Moor setzt, braucht sich nicht wundern, wenn der Damm bricht, weil Moore leben. Wegen der Behelfsbrücke: Einfach mal die Pioniere der ehemaligen NVA fragen, die würden da ruck-zuck eine Pontonbrücke ins Moor legen, die sogar für schwerste Technik jahrelang nutzbar wäre...