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Video: Warum Geiger Witze über Bratschisten erzählen

Judith Hinkemeyer hat das Sagen bei den Braschisten der Philharmonie Neubrandenburg.
Judith Hinkemeyer hat das Sagen bei den Braschisten der Philharmonie Neubrandenburg.
Frank Wilhelm

Teil 4 unserer kleinen Instrumentenkunde: Judith Hinkemeyer ist seit 1994 Solo-Bratschistin der Philharmonie Neubrandenburg und hat Frank Wilhelm viel Interessantes über ihr Instrument erzählt.

Die einen sagen Bratsche, die anderen Viola zu Ihrem Instrument. Warum?

Viola ist die italienische und die englische Bezeichnung, Bratsche der deutsche Name.

Wie sind Sie zur Bratsche gekommen?

Ich habe als Kind mit der Geige angefangen, allerdings relativ spät mit acht Jahren. Zusammen mit meiner Schwester hatte ich ein Jahr Privatunterricht bei meinem Onkel, der Violinist beim Rundfunksinfonie-Orchester Berlin war. Nach dem einen Jahr habe ich in der Musikschule angefangen.

Warum sind Sie mit der Geige gestartet?

Die Bratsche ist in der Regel zu groß für kleine Kinderhände. Die Abstände für die Greifhand sind auf den Geigensaiten kleiner, das lässt sich besser beherrschen.

Warum wechselten Sie dann von der Geige auf die Bratsche?

Mit 14 Jahren war mir klar, dass ich Musik studieren will. Meine Lehrerin riet mir damals, wegen meines späten Starts mit acht Jahren, auf die Bratsche umzusteigen, weil dadurch die Chancen steigen würden, später einmal in einem Berufsorchester spielen zu können. Sie hatte Recht.

Worin unterscheiden sich Geige und Bratsche voneinander?

Die Bratsche ist ein paar Zentimeter größer und eine Quinte tiefer gestimmt.

Eine Quinte?

Eine Quinte sind fünf Töne. Diese fünf Töne ist die Bratsche tiefer gestimmt. Dadurch klingt sie auch tiefer und dunkler als die Geige, manche sagen sogar, sie klingt näselnd. Ich liebe diesen dunklen Klang.

Aber es gibt doch viel mehr Soli für eine Geigerin als für eine Bratschistin. Sind Sie da nicht ab und zu mal neidisch?

Nein, ich wollte ja Orchestermusikerin werden. Bratschen wollen sich nicht in den Vordergrund drängen. Wir füllen die Mittelstimme des Orchesters aus. Wenn wir nicht wären, würde die Musik der Philharmonie längst nicht so gut klingen.

Könnten Sie denn auf Anhieb wieder auf die Geige wechseln?

Die Technik ist die gleiche. Wegen der Abstände der Saiten müsste ich mich aber umstellen.

Könnten Sie auch Cello spielen?

Auch wenn es sich ebenfalls um ein Streichinstrument handelt, ist die Handhaltung ganz anders. „Alle meine Entchen” könnte ich vielleicht spielen. Aber es würde grausam klingen.

Die Geiger erzählen gerne Witze über die Bratschisten. Warum?

Früher haben die Komponisten die Stimmen für die Bratschen leichter geschrieben als für die Geigen. Das war bei Mozart noch so, teilweise auch bei Beethoven. Selbst wenn die späteren Komponisten die Bratschen-Stimmen schwerer gestaltet haben, meinen die anderen Musiker immer noch, dass wir Bratschen es leichter hätten, aber trotzdem langsamer und schwerfälliger spielen würden. Das ist heute natürlich spaßig gemeint.

Können Sie denn einen Bratschen-Witz erzählen?

Na klar. Warum hat auch der Schneemensch Ötzi schon Bratsche gespielt? Weil er so langsam war, dass ihn sogar das Gletscher-Eis beim Wachsen überholt hat.

Die Philharmonie ist am Donnerstag, den 7. Dezember, 10 Uhr und 19.30 Uhr in der Neubrandenburger Konzertkirche zu erleben. Gespielt werden Werke von Mozart, Beethoven und Hindemith. Als Solist wird der Bratschist Roland Glassl erwartet. Das Konzert ist auch am Sonntag, 10. Dezember, um 18 Uhr im Theater Neustrelitz zu hören. Karten gibt es auch beim Nordkurier im Medienhaus sowie unter Tel. 0800/4575033