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Staatsanwalt ermittelt

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Sexuelle Übergriffe Weinsteins wurden in Firma geduldet

Nach neuen Enthüllungen über sexuelles Fehlverhalten hat der US-Bundesstaat New York den gestürzten Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein und dessen früheres Unternehmen verklagt.
Nach neuen Enthüllungen über sexuelles Fehlverhalten hat der US-Bundesstaat New York den gestürzten Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein und dessen früheres Unternehmen verklagt.
Paul Buck/Archiv

Fast wäre die Weinstein Company in einem millionenschweren Deal an eine Investorengruppe gegangen. Nun grätscht Staatsanwalt Eric Schneidermann mit einer Zivilklage dazwischen.

Die mutmaßlichen sexuellen Übergriffe des US-Filmproduzenten Harvey Weinstein sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft in seinem früheren Unternehmen über Jahre wissentlich hingenommen und in obersten Etagen unterstützt worden. „Die Führung der Weinstein Company war mitschuldig am Verhalten Harvey Weinsteins. Sie wussten, was vor sich geht. Und sie wussten, wie verbreitet es war. Trotzdem taten sie nichts”, sagte der New Yorker Staatsanwalt Eric Schneiderman am Montag.

Geschäftsführung und Vorstand seien nach Dutzenden Vorwürfen rechtlich dazu verpflichtet gewesen, das Verhalten zu stoppen. Untersucht wurden diese Vorwurfe Schneiderman zufolge jedoch nie.

Angemessene Entschädigung der Opfer als Knackpunkt

Schneiderman hatte am Sonntag nach vier Monate langen Ermittlungen Zivilklage gegen die Weinstein Company eingereicht und einen bevorstehenden Verkauf der Firma an eine Investorengruppe in letzter Minute verhindert. Nach Informationen des „Wall Street Journal” wollte die Gruppe hinter Unternehmerin Maria Contreras-Sweet 500 Millionen Dollar (407 Mio Euro) für das wankende Unternehmen zahlen.

Es habe bislang keinen Deal gegeben, der den rechtlichen Anforderungen genügt hätte, sagte Schneiderman. „Jeder Kauf von Unternehmensanteilen muss erst sicherstellen, dass Opfer angemessen entschädigt werden.” Zudem müssten Mitarbeiter künftig vor vergleichbarem Verhalten geschützt werden. Das sei beim vorliegenden Angebot nicht der Fall gewesen.

Die Investoren hätten lediglich Versicherungspolicen und einen Kredit von zehn Millionen Dollar (8,1 Mio Euro) angeboten, mit denen aber auch Anwalts- und andere Kosten hätten gedeckt werden sollen. „Wir hätten gern einen Fonds, der allein auf die Entschädigung der Opfer zielt”, sagte Schneiderman.

Anwalt: Verhalten „nicht fehlerfrei, aber mit Sicherheit nicht kriminell”

Im Zuge der monatelangen Ermittlungen hatte die Staatsanwaltschaft auch eine offenbar digitale Kopie von Weinsteins Personalakte erhalten. „Uns wurde gesagt, die physische Personalakte sei abhanden gekommen.” Es habe Dutzende offizielle Beschwerden und viele weitere inoffizielle Beschwerden wegen sexueller Übergriffe gegeben. Weinsteins Anwalt Ben Brafman teilte mit, Weinsteins Verhalten sei „nicht fehlerfrei, aber mit Sicherheit nicht kriminell” gewesen.

Der Klageschrift zufolge ging die Mitwisserschaft bei der Weinstein Company so weit, dass Frauen nach besagten Vorfällen gelegentlich Kleidungsstücke hinterließen. Mitarbeiter des Filmmoguls seien dann beauftragt worden, diese den Frauen zukommen zu lassen.

Weinstein war im Oktober von seiner Firma entlassen worden. Zahlreiche Frauen haben ihm sexuelle Übergriffe und Einschüchterungen vorgeworfen, darunter Schauspielerinnen wie Salma Hayek, Ashley Judd, Gwyneth Paltrow, Angelina Jolie und Rose McGowan.