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Was bei Migräne und Spannungskopfschmerz hilft

Menschen, die an starken Kopfschmerzen leiden, hilft oftmals Ruhe und Dunkelheit.
Menschen, die an starken Kopfschmerzen leiden, hilft oftmals Ruhe und Dunkelheit.
Oliver Killig

Migräne oder Clusterkopfschmerzen – wer davon betroffen ist, weiß: Dagegen ist Kopfweh nichts. Immerhin helfen oft Medikamente. Vor allem müssen Betroffene lernen, wie sie mit ihren Schmerzen zurechtkommen.

Dass einem mal der Schädel brummt, das kennt wohl jeder. Was dahintersteckt, bekommt man oft gar nicht raus. Denn laut Prof. Hartmut Göbel, Gründer und Chefarzt der Schmerzklinik Kiel, gibt es mehr als 360 Formen des Kopfschmerzes. Aber bei manchen Menschen ist es mehr, als ab und an mal Kopfweh zu haben.

Bei ihnen ist der Kopfschmerz kein Symptom für eine andere Erkrankung, der Kopfschmerz ist die Erkrankung selbst. Zu diesen sogenannten primären Kopfschmerzen gehören Migräne, Cluster- und Spannungskopfschmerz. Ein Überblick.

Migräne

Unter 100 Menschen haben laut Göbel 15 bis 20 Migräne. Der Schmerz ist in der Regel einseitig, sehr stark behindernd, hämmernd oder pochend und zwingt Betroffene zur Bettruhe. Zusätzlich ist ihnen oft übel, sie müssen sich übergeben, sind licht-, lärm- und mitunter auch geruchsempfindlich. Die Attacken dauern vier Stunden bis drei Tage. Bestimmte Faktoren können Migräne auslösen – Mediziner sprechen von sogenannten Triggern. Dazu zählen etwa Stress, grelles Licht, laute Musik oder Alkohol.

Günter Rambach, Vizepräsident der Deutschen Schmerzliga, hat – unter anderem – Migräne. Manchmal an bis zu 20 Tagen pro Monat. Bestimmte Gerüche, Lichteffekte, Wetterumschwünge und Stress, egal ob positiv oder negativ, triggern bei ihm Migräneattacken. „Die Migräne lauert permanent im Hintergrund, sie ist ja nie weg.”

Um Attacken vorzubeugen, sollten Betroffene sich einen konstanten und regelmäßigem Lebensstil angewöhnen. „Regelmäßige Schlaf- und Pausenzeiten sowie regelmäßige Essenszeiten können sich günstig auf den Verlauf der Migräne auswirken”, erklärt Charly Gaul, Generalsekretär der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Er empfiehlt zudem regelmäßigen Ausdauersport wie Schwimmen, Joggen, Radfahren oder Walken.

Spannungskopfschmerzen

Mehr als die Hälfte aller Kopfschmerzen ist von diesem Typ, wie Göbel sagt. Die Schmerzen sind weniger stark als die bei Migräne, werden von Patienten als dumpf-drückend beschrieben, treten meist beidseitig auf und können zwischen 30 Minuten und einer Woche andauern.

„Die Kopfmuskeln weisen eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit auf, sie sind reflektorisch angespannt”, erklärt Göbel. Spannungskopfschmerzen treten zum Beispiel auf, wenn jemand den ganzen Tag am PC gesessen hat und Schultern und Nacken zu lange einseitig aktiviert sind.

Zur Behandlung von Spannungskopfschmerzen empfiehlt Gaul, Pfefferminzöl auf die Schläfen aufzutragen oder ein Analgetikum. Aber: „Die Einnahme von Schmerzmitteln sollte nur dann erfolgen, wenn sie aufgrund der Schmerzintensität unverzichtbar erscheinen.” Vorbeugend hilft ebenfalls Bewegung und Entspannung. Bei chronischem Spannungskopfschmerz, der häufiger als an 15 Tagen im Monat auftritt, können vorbeugend auch Antidepressiva helfen.

Clusterkopfschmerz

Vom Clusterkopfschmerz ist unter 1000 Menschen nur ungefähr einer betroffen. „Diese Form wurde früher auch Suizidkopfschmerz genannt”, sagt Göbel. Es handele sich um einen einseitigen, lebensvernichtenden Schmerz im Augenbereich, der sich anfühlt, als ob ein Messer durch ein Auge in den Kopf gestochen wird.

Die Attacken können zwischen 15 und 180 Minuten dauern und mehrfach am Tag auftreten. Begleitend hängt oft ein Augenlid herab, die Nase läuft oder ist verstopft, oder das Auge tränt. Behandelt werden die Betroffenen mit Triptanen – entweder als Nasenspray oder als Injektion – oder mit Sauerstoff, den sie über eine Maske inhalieren. Vorbeugend können Betroffene unter anderem mit Cortison behandelt werden.

Schmerzmittel machen Kopfschmerzen: Die 10-20-Regel

Es klingt paradox: Wer gegen seine Kopfschmerzen zu häufig Schmerzmittel oder Migränemittel einnimmt, bekommt Kopfschmerzen. Prof. Hartmut Göbel, Gründer und Chefarzt der Schmerzklinik Kiel, erklärt den sogenannten Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz so: Schmerzmittel reduzieren die Schmerzempfindlichkeit. Nimmt man sie über einen längeren Zeitraum sehr häufig ein, erhöht das Nervensystem die Schmerzempfindlichkeit, um wieder eine normale Schmerzempfindlichkeit einzustellen.

Lässt die Wirkung des Schmerzmittels nach, schießt die Schmerzempfindlichkeit hoch, es treten spontan sogenannte Rückschlagkopfschmerzen auf, die erneut die Schmerzmitteleinnahme fordern - ein Teufelskreis. Dem kann man nur entkommen, indem man bis zu 30 Tage komplett auf Schmerzmittel verzichtet.

Vorbeugen kann man, indem man der sogenannten 10-20-Regel folgt: An weniger als an zehn Tagen im Monat darf man Schmerzmittel einnehmen, an mindestens 20 Tagen nimmt man keine.