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Angeklagter widerspricht im Dreifachmord-Prozess den Protokollen

Die Bundesstraße 168 zwischen Oegeln und Beeskow im Februar, am Tag der Tat: Hier wurden zwei Polizisten überfahren und getötet.
Die Bundesstraße 168 zwischen Oegeln und Beeskow im Februar, am Tag der Tat: Hier wurden zwei Polizisten überfahren und getötet.
Patrick Pleul

Laut Anklage erstach der Beschuldigte seine Großmutter und überfuhr auf der Flucht zwei Polizisten. Am Montag stellte der Angeklagte seine eigenen Aussagen infrage.

Der mutmaßliche Dreifachmörder von Müllrose (Oder-Spree) hat vor Gericht seinen eigenen Aussagen aus Vernehmungsprotokollen der Polizei widersprochen. „Das ergibt doch gar keinen Sinn“, sagte der 25-Jährige am Montag beim vierten Verhandlungstag vor den Richtern des Landgerichts Frankfurt (Oder).

Zwei Polizisten sofort tot

So schilderte er den Ablauf der tödlichen Attacke auf seine Großmutter jetzt mit anderen Details. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Ende Februar zuerst seine Großmutter in ihrem Wohnhaus in Müllrose ermordet und danach auf der Flucht zwei Polizisten überfahren zu haben. Die Beamten waren sofort tot. Sie hatten das Fluchtauto im Ortsbereich Oegeln mit einem Nagelbrett stoppen sollen.

Der Angeklagte rückte zwar nicht davon ab, die Taten begangen zu haben – aber er schilderte die Abläufe anders als über die Protokolle bekannt geworden war. Zugleich betonte er, dass er sich an vieles nicht mehr erinnern könne. Oftmals driftete der Beschuldigte in seinen Ausführungen ab. Und er bestand darauf, dass seine Handschellen während der Verhandlung über Stunden angelegt blieben. Erst gegen Mittag bat er darum, sie zu lösen.

Am Tag des Geschehens will er beim Verlassen des Wohnhauses nicht gewusst haben, ob seine Großmutter nach seiner Attacke noch lebt. Laut Gericht gab er in früheren Ausführungen hingegen an, dass er mit Messerstichen die ältere Frau, die zuvor massiv im Gesicht verletzt worden war, „erlösen“ wollte. Der Vorsitzenden Richterin sagte er daraufhin: Sie solle sich nicht auf das Wort „erlösen“ fixieren. Auf die Frage, warum er zum Messer griff, sagte er: „Ich hab' Angst gehabt.“

Staatsanwaltschaft geht von Mord aus

Über die Fluchtfahrt sagte er, dass er die beiden Polizisten an der Kontrollstelle nicht gesehen habe, sondern nur das ausgelegte Nagelbrett auf der Straße. „Die standen woanders“, sagte er in der Verhandlung. Er habe sie erst wahrgenommen, als sie vor der Motorhaube des Wagens standen. Die Staatsanwaltschaft geht in allen drei Fällen von Mord aus.

Der Angeklagte kritisierte am Verhandlungstag immer wieder, dass er keinen Einblick in seine Vernehmungsprotokolle erhalten habe. Er versuche seit Monaten an Akten zu kommen. Und: Er habe bei der ersten Vernehmung am Tattag in einem Krankenhaus unter Drogen gestanden.

Polizist fand Kollegen ohne Kopf

Im Prozess sagte auch ein Polizist als Zeuge aus, der die beiden getöteten Beamten entdeckt hatte. Unter Tränen sagte er über die Leiche eines Kollegen, die am Boden lag: „Da hat der Kopf gefehlt.“ Der Beamte befindet sich seither in therapeutischer Behandlung.

Eine Gerichtsmedizinerin, die die Leiche der Rentnerin obduzierte, zählte vor Gericht zahlreiche Verletzungen auf. Der älteren Frau seien eine Halsvene durchtrennt und Gesichtsteile zertrümmert worden. Laut Staatsanwaltschaft nahm die Attacke des Enkels auf seine Großmutter seinen Anfang, weil er sich über die Unordnung im Bad geärgert hatte. Der Tattag war ihr Geburtstag.

Der Beschuldigte beschrieb im Gerichtssaal sein Verhältnis zur Großmutter, bei der er lebte. „Wir haben fast jeden Tag Karten gespielt“, sagte der 25-Jährige. Sie sei die einzige in der Familie gewesen, die ihn früher nicht verraten habe. „Oma war da immer anders“, sagte der Angeklagte. Der nächste Verhandlungstag ist für den 20. November angesetzt.