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Sind Namen wie Mandy oder Kevin eine Last?

Vom Wunschtraum zum Stigma – eine solche Karriere ist nicht vorherzusehen, wenn Eltern ihrem Kind einen Vornamen geben. Wird der später etwa bei der Berufswahl zu einem Klotz am Bein, ruft das die Politik auf den Plan.

Gegen Namensdiskriminierung könnten unter anderem anonymisierte Bewerbungsverfahren helfen.
Jens Büttner Gegen Namensdiskriminierung könnten unter anderem anonymisierte Bewerbungsverfahren helfen.

Die linke Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann hat sich vor kurzem gegen die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Vornamen ausgesprochen. Als Argument führte sie Mandy und Kevin ins Feld. Es dürfe nicht sein, dass Menschen mit solchen Vornamen im Bewerbungsprozess aussortiert werden, weil sie mutmaßlich aus Ostdeutschland stammen. „Die Diskriminierung wegen der sozialen Herkunft muss endlich ein Ende haben“, sagte die Politikerin und forderte, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz zu verschärfen.

Vorbild sollte die Grundrechtecharta der Europäischen Union sein. Darin ist explizit ein Diskriminierungsverbot verankert, unter anderem wegen Geschlecht, Rasse, Weltanschauung, Vermögen, Behinderung, Alter, sexueller Ausrichtung und eben auch wegen der sozialen Herkunft.

„Kevin ist kein Name sondern eine Diagnose“

Wie oft Mandy und Kevin bei Bewerbungen tatsächlich benachteiligt werden, lässt sich kaum ermessen. Fakt ist: Die Namen sind in Misskredit geraten, seit die Universität Oldenburg 2009 eine Studie präsentiert hat. Die „Arbeitsstelle für Kinderforschung“ hatte rund 1500 Grundschullehrer gefragt, welche Erwartungen sie an Vornamen knüpfen. Rund ein Drittel gab Antwort und räumte ein, dass Charlotte, Sophie, Alexander und Jakob mehr zugetraut wird als Chantal, Mandy, Kevin und Justin. Laut Uni notierte eine Beteiligte das mittlerweile legendäre Zitat: „Kevin ist kein Name sondern eine Diagnose“.

Zwar gab es einige Kritik an der Studie, angefangen bei der nur geringen Teilnehmerzahl bis zur Tatsache, dass die Befragten überwiegend westdeutsche Wurzeln hatten. Dennoch: Die Begriffe Kevinismus und Chantalismus dienen seither dazu, Menschen mit gewissen, meist englischen Namen und ihr Eltern in die bildungsferne Ecke beziehungsweise den hinterwäldlerischen Osten abzuschieben.

„Leider“, wie Gabriele Rodriguez, Fachberaterin für Vornamen an der Namenberatungsstelle der Universität Leipzig, sagt. „Es ist tatsächlich so, dass eine Benachteiligung bestimmter Namen nachzuweisen ist.“ Menschen mit typischen DDR-Namen wie Cindy, Peggy, Jacqueline, Ronny und Silvio haben es ihrer Kenntnis nach im Westen häufig schwer, ein positives Image zu erlangen. „Dabei ist der Rückschluss, die sind aus dem Osten und damit doof, ungerecht und durch nichts zu belegen.“ Diese Namen seien schließlich auch unter Studenten und Professoren anzutreffen.

Konservative Vornamen am beliebtesten

Marie und Elias sind die beliebtesten Vornamen 2016. Dahinter landen Sophie und Sophia sowie Alexander und Maximilian, wie die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Mittwoch mitteilte. Die Eltern blieben ihrem Geschmack bei den Vornamen für ein Baby weitgehend treu: Auf die Liste der zehn Namen, die am häufigsten vergeben werden, schaffte es vergangenes Jahr kein einziger Neueinsteiger.

Die GfdS wertete mehr als eine Million Einzelnamen aus, die von rund 650 Standesämtern übermittelt wurden. Dies entspricht nach den Worten von Ewels rund 97 Prozent aller vergebenen Vornamen. Dabei wird nicht zwischen Erst- und Folgenamen unterschieden.